Unter dem Motto „Handeln statt Wegschauen“ fand am 8.1.2024 in Heppenheim eine Kundgebung und Demo anläßlich der regionalen und bundesweiten Protesttage der Landwirte statt.
An der Demo am Abend entlang der B3 nahmen auch viele bäuerliche und gewerbliche Betriebe mit ihren Traktoren und anderen Fahrzeugen teil, nachdem sie aus der Landeshauptstadt zurück kamen.
Versammlung
Vorher sammelte man sich an genau der Adresse, wo sich auch das Landratsamt des Kreis Bergstraße befindet. Es waren zahlreiche Bürger und Bürgerinnen gekommen, um Ihre Unterstützung zu zeigen, aber auch um ihre eigene Betroffenheit deutlich zu machen:
Zitat: „Wir, die „Kritischen Bürger des Kreises Bergstraße“, stehen hinter den Landwirten. Wir brauchen die Bauern in unserem Land für gute Produkte und eine sichere Versorgung.
erklärt der Anmelder und Mitglied der Initiative IFUS Weschnitztal/Odenwald
Die Bauern und Speditionen haben es verstanden, auch die Gastronomen, Bäcker, Metzger, Einzelhändler, etc. und natürlich wir, die Bürger müssen jetzt aktiv werden.“
Redebeitrag mit geschichtlichem Bezug
Im Vorfeld der Demo erklärte ein Teilnehmer seine Sicht auf die derzeitige Situation und zog dafür verschiedene geschichtliche Ereignisse zu Rate. Hier der Inhalt seines Beitrages:
Wie die Erhöhung der Salzbesteuerung und der darauf folgende Salzmarsch Auslöser für die Unabhängigkeitsbewegung in Indien wurden
Zitat: „Es wäre ungerecht, wenn die Salzsteuer erhöht werden sollte. Es ist ein notwendiger Artikel sowohl für das menschliche als auch für das tierische Wohlergehen … es wäre eine schlechte Politik und eine rückläufige Bewegung, die Steuer zu erhöhen, insbesondere in einer Zeit, in der die armen Millionen Indiens einer weiteren Senkung ängstlich entgegensehen der Steuer … Da jede Erhöhung dieser Steuer daher die Massen der Menschen des Landes schwer treffen wird, möchte ich die Aufmerksamkeit dieses Kongresses nachdrücklich auf die Notwendigkeit lenken, seinen starken Protest gegen jeden Versuch einzulegen Teil der Regierung, die Salzsteuer zu erhöhen.“
Das stellte S. A. Saminatha Iyer indischer Anwalt und Politiker, bereits im Jahre 1885 fest. Er war Vorsitzender der Gemeinde Tanjore und Delegierter des Indischen Nationalkongress und sprach sich mit den o.a. Worten gegen gegen eine Erhöhung der Salzsteuer aus.
Salz ist ein bedeutendes Wirtschaftsgut und war und ist insbesondere für die Bevölkerung Indiens und ihrer Nutztiere notwendig, um u.a. im heißen Klima den täglichen Elektrolytverlust auszugleichen.
Als dann aber 1923 trotzdem die Salzsteuer verdoppelt wurde, konnte die indische Bevölkerung immer weniger von dem im eigenen Land produzierten Salz kaufen.
Der Dandi-Marsch
Mahatma Gandhi startete im März 1930 mit 78 Anhängern einen Fußmarsch von 388 km nach Dandi an der Küste des Arabischen Meeres.
Der Marsch wurde Medien wirksam von der internationalen Presse begleitet, gefilmt und dokumentiert. Filmausschnitte und Bilder weltweit übertragen.
Am Morgen des 5. April 1930 erreichte die Gruppe das Meer und Mahatma Gaudi hob eine Handvoll Salz und verkündete, dass er mit dieser „Handvoll Salz“ das Ende der Britischen Herrschaft verkünde.
Er und seine Anhänger wurden vor Ort noch am gleichen Tag verhaftet.
Aber Gandhis mutiges Vorbild, in dem er das „Gesetz“ brach und ebenso das Vorbild der ihn begleitenden Frauen und Männer auf diesem Marsch, die sich das nahmen, was die Natur allen Indern geschenkt hatte und was in keiner Weise denjenigen gehörte, die Steuern darauf erhoben, ermutigte andere Inder, ebenfalls in zivilen Ungehorsam zu gehen und gegen das Gesetz des vermutlich Mächtigeren zu verstoßen.
„Mähdrescher-Mob“?
Winston Churchill bezeichnete Gandhi einmal als „aufrührerischen, nackten Fakir“. Das erinnert mich an „Die TAZ“ gestern, welche die Bauern als „Mähdrescher-Mob“ beschimpft hat.
Im Jahre 1947 wurde die Salzsteuer dann von der Übergangsregierung Indiens abgeschafft. Über den „Salt Cess Act“ von 1953 als eine modifizierte Salzsteuer aber neu eingeführt. Dies war dann der Anfang der Freiheits- und Unabhängigkeitsbewegung Indiens.
Zitat „Ich mache da nicht mit.“
Gunnar Kaiser
- In eigener Sache: Diese friedliche Taktik des „zivilen Ungehorsams“ oder des „Nicht Mitmachens“, die Gandhi hier vorlebte erläutert auch Vandana Shiva ausführlich in ihrem Buch „Eine Erde für alle!“, wozu wir an anderer Stelle im Blog bereits berichtet hatten. Siehe Link
Weiter im Beitrag:
Es geht um mehr
Schaut man nun auf diese historischen Ereignisse, dann ist der Wegfall des vergünstigten Agrardiesels möglicherweise nur der Auslöser – der bekanntliche „Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt – sich gegen eine groß angelegte Umverteilung von Vermögen und die Vernichtung von Wohlstand sowie die Bevormundung und Gängelung durch die staatlichen Organe zu wehren.
Die aktuellen Bauerproteste zeigen eindeutig, es geht hier nicht um „Privilegien“, sondern um den Erhalt von Werten, die unsere Lebensgrundlagen sind und die über Generationen erwirtschaftet und aufgebaut wurden.
Viele Menschen in Deutschland aus der Bevölkerung spüren das und Menschen aus allen Berufszweigen, Handwerk und Industrie erklären sich mit den Bauern solidarisch.

Wie die Einführung einer Teesteuer in Amerika der Auslöser der berühmten Boston Tea Party wurde
„No taxation without representation.“
Forderung der nordamerikanischen Kolonien nach Mitsprache im Britischen Parlament
Es gibt noch weitere solcher Beispiele in der Geschichte, auch die Beibehaltung der Teesteuer durch England gegenüber den nordamerikanischen Kolonien führte 1773 zu Aufständen und Protesten und war nur der Auslöser in Wirklichkeit ging es um Selbstbestimmung und Freiheit.
Zusammenarbeit
Was uns der geschichtliche Vergleich aber auch lehrt, ist das die aktuellen Proteste der Bauern heute erst der Anfang sind und es wohl Jahre dauern wird und viel Mut und Ausdauer sowie Achtsamkeit und kluge Voraussicht notwendig sind.
Wir die Menschen, der „kleine Mann“ und die „kleine Frau“, müssen lernen auch mal „nicht zu gehorchen“ und vor allem auch dann gut zusammen zu arbeiten, wenn es um unsere eigenen grundlegenden Interessen geht.
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