
Warum tun wir uns mit Frieden so schwer? Ist Frieden ein unnatürliches Kunstprodukt und gibt es deswegen so viele Konflikte und im Vergleich der Menschheitsgeschichte nur sehr kurze Friedenszeiten?
Der Mensch ist wie jeder andere lebende Organismus von Natur aus mit zwei Prioritäten, zwei Urzielen ausgestattet:
- Sicherung des Überlebens der Gattung.
- Sicherung des Überlebens des Individuums.
Ohne diese „Urprogrammierung“ gäbe es uns heute nicht. Wir wären schlicht ausgestorben. Diese „Urprogrammierung“ gibt es noch immer in uns! Bei dem einen mehr, bei dem anderen weniger ausgeprägt. Und sie hat Konsequenzen:
- Unbedingter Wille des Strebens nach Macht sowie Gier zur Sicherung des eigenen Zugangs zu Ressourcen.
- Bündelung von Kräften durch Zusammenschlüsse in Gruppen zur Erschließung und Verteidigung von Ressourcen. Familien, Freundeskreise, Vereine, Clans, Stämme, Syndikate, Parteien, Nationen, NGOs. Alle Arten von Zusammenschlüssen helfen, Macht und damit den eigenen Zugang zu Ressourcen und darüber die o.g. beiden Urziele sicher zu stellen.
- Bildung und Verteidigung von Revieren zur Sicherstellung des für das eigene Überleben wichtigen Ressourcenzugangs.
- Unstillbare Gier nach immer mehr, auch wenn man schon mehr als genug hat.
- Nirgends steht, dass das schonend und rücksichtsvoll geschehen muss. Schon alleine die Zeugung eines Menschen, bei der über 200 Millionen Samenzellen auf eine Eizelle gehetzt werden, legt die Verschwendungsbereitschaft der Natur schonungslos offen. Nicht zu vergessen die Billionen von Samenzellen, die nie auch nur in die Nähe einer Eizelle kommen. Wir sehen an vielen Orten auf der Welt, dass rücksichtslose, totalitäre Systeme „gut überleben“ können. Das ist nicht für alle Beteiligten in diesen Systemen zum Vorteil, manchmal sogar nur für sehr wenige. Aber es können sehr stabile Systeme sein.
- Eine im tiefen Inneren verankerte Verteidigungsbereitschaft gegen alles, was den o.g. beiden Zielen entgegensteht.
- Rücksicht ist nicht zwingend erforderlich, teilweise sogar hinderlich. Dies ermöglicht eine innere Bereitschaft zu einem präventiven Angriff, denn auch ein „präventiver Erstschlag“ wäre verargumentierbar. Immerhin würde ein solcher einen mutmaßlichen Feind oder etwas, was möglicherweise irgendwann bedrohlich werden könnte, vorsorglich auslöschen oder ungefährlich klein halten und die o.g. Ziele sicherstellen. Die versehentliche Auslöschung ungefährlicher Dritter wäre nicht im Widerspruch zu den o.g. Zielen.
- Trotz allem aber auch eine gesunde Beißhemmung, die uns normalerweise von Gewaltausübung gegen Mitmenschen abhält.
- Intelligenz ist keine Notwendigkeit. Sie hilft ungemein beim Leben und Überleben. Sie hilft jedoch nicht, wenn jemand mit einem dickeren Hammer vorbeischaut und einfach zuschlägt und diese Möglichkeit seitens des Intelligenten zuvor ignoriert wurde.
- Gleichberechtigung ist keine Notwendigkeit. Sie kann beim Leben und Überleben helfen. Sie hilft jedoch nicht, wenn jemand mit einem dickeren Hammer vorbeischaut und zuschlägt.
- Gerechtigkeit ist keine Notwendigkeit. Sie kann beim Leben und Überleben helfen. Sie hilft jedoch nicht, wenn jemand mit einem dickeren Hammer vorbeischaut und zuschlägt.
- Rücksicht ist keine Notwendigkeit. Sie kann beim Leben und Überleben helfen. Sie hilft jedoch nicht, wenn jemand mit einem dickeren Hammer vorbeischaut und zuschlägt.
- Ehrlichkeit und Vertrauen sind keine Notwendigkeit. Sie können beim Leben und Überleben helfen. Sie helfen jedoch nicht, wenn die Möglichkeit des Hintergehens nicht zumindest in Betracht gezogen wird und entsprechende Vorbereitungen hierauf getroffen werden.
- Mit Manipulation durch Dritte zu deren eigenem Wohl ist zu rechnen. Sie kann beim Leben und Überleben helfen. Man denke z.B. an die durch Kriegspropaganda aufgehetzten „einfachen Menschen“, die freiwillig in Kriege ziehen und sich teils begeistert für ihre Machthaber abschlachten lassen.
- Frieden ist keine Notwendigkeit für die Urziele! Er kann beim Leben und Überleben helfen. Aber er muss aktiv erschaffen und bewahrt werden. Noch dazu, wenn Kriegstreiber nicht direkt von den Folgen betroffen sind, nicht selbst das Kampfrisiko tragen müssen.
- Der Untergang von Teilen der Gattung oder auch der gesamten Gattung ist nicht per se ausgeschlossen! Wer nicht der „Urprogrammierung“ folgt und statt dessen aufhört, sich um Ressourcenzugang und Sicherstellung desselben zu kümmern, der wird einfach mehr oder weniger geräuschlos verschwinden. Das Römische Reich hat es erfahren, diverse Hochkulturen sind schon untergegangen. Und auch die EU und Deutschland zum wiederholten Male werden dieses Schicksal erleiden, wenn sie nicht bald zur Besinnung kommen.
Man könnte vermuten, dass alles hätte ein Ende, wenn ein „Tribe“ die Weltherrschaft erreicht hätte. Nur wer die komplette Welt beherrschte könnte sich seines Zugangs zu Ressourcen sicher sein. Doch auch das wäre kein friedlicher Zustand, wenn es zu viele Menschen gäbe, deren eigenes Überleben zu sehr bedroht wäre, wenn nicht für alle gut gesorgt wäre. Diese würden früher oder später in irgendeiner Weise von innen heraus rebellieren und das System in Frage stellen. Und es wäre unnatürlich, denn wenn die ganze Menschheit nach einem Muster lebte, würde die Gefahr der Auslöschung der Gattung auf Grund einer Fehlentscheidung massiv anwachsen. Daher dürften natürliche Prozesse diesen Zustand verhindern oder nur eine kurze Episode sein lassen, wenn es dazu käme.
Sind wir damit zu ewigen Kriegen und zu machtorientierten Unterdrückungskulturen verdammt?
Derzeit sehen wir auf der Welt sehr viele Aktivitäten, bei denen Gruppen ziemlich rücksichtslos ihre Macht ausspielen und für sich vorteilhafte Bedingungen erschaffen wollen. Dies würde eher die These der dauerhaften Kriege bestätigen.
Menschen haben jedoch die Fähigkeit zu denken und die Auswirkungen ihres Tuns vorab zu bewerten. Sie wären theoretisch in der Lage zu erkennen, dass aus naturgegebenem Anlass eine inhärente Tendenz zu genau diesen Resultaten gegeben ist. Sie wären in der Lage, sich dessen bewusst zu sein und Mittel und Wege zu finden, diese Exzesse zu verhindern und bewusst ein gemeinsames Miteinander zu etablieren, welches für alle Beteiligten viel bessere (Über-)Lebensbedingungen schaffen könnte als ewige, all zu oft in blutige Kriege oder Unterdrückung und Ausbeutung mündende Machtkämpfe. Auch das wäre durch die „Urprogrammierung“ gedeckt. Es würde insbesondere auch auf den zweiten Punkt „Überleben des Individuums“ einzahlen.
Hierzu wären einige Dinge notwendig:
- Anerkennung der Existenz und effektive Einhegung der natürlichen Triebe nach Macht und Kontrolle und der Gier.
- (Selbst-)eingeständnis, dass jeder Mensch, auch das eigene Ich, diese Triebe in sich trägt und damit zu gewissen Teilen selbst eingehegt werden muss!
- Etablierung wirksamer Mechanismen zur Verhinderung von Machtmissbrauch.
- Gestattung ausrechenden Lebensraums auch anderen „Tribes“ gegenüber.
- Glaubhafte und nachprüfbare Bekenntnis aller Tribes, sich gegenseitig zu respektieren und in Ruhe lassen.
- Entwicklung und Pflege einer gebildeten, sich all dieser Zusammenhänge bewussten Gesellschaft.
- Endlose Leistung von Überzeugungsarbeit, wie wichtig und vorteilhaft Machtkontrolle und Miteinander sein können und dass jeder tagtäglich dafür seinen Beitrag liefern muss, da die Gesellschaftskonstruktion andernfalls sehr schnell entarten und ins Totalitäre abdriften kann.
Gelänge dies, könnte eine neue, friedliche Epoche des Zusammenlebens anbrechen.
Leider haben wir offensichtlich versagt, diese Notwendigkeiten umzusetzen. Derzeit sieht es eher nach einem schweren Rückfall in mittelalterliche Zeiten aus. Superreiche und Machthaber verfallen einem ungebremsten Machtrausch, wollen mit Gewalt ihre Vorstellungen durchsetzen, die absolute Kontrolle über Ressourcen und Menschen an sich reißen und verweigern sich jeglicher Kritik. Eine große Gefolgschaft schwimmt profitierend auf dieser Welle mit. Die überwiegende Masse steht aus unterschiedlichen Motiven passiv an der Seitenlinie und lässt es geschehen. Diejenigen, die sich dem entgegen stemmen, sind noch zu wenige, als dass sie einen nennenswerten Erfolg erzielen könnten. In diesem Zuge drohen wir derzeit alle Errungenschaften der Aufklärung, unsere Freiheiten, unsere Sicherheiten bis hin zu unseren Lebensgrundlagen zu verspielen. Selbstgemacht. Ohne Beteiligung äußerer Feinde. Der sogenannte „Wertewesten“, die westlichen Staaten und insbesondere die EU zeigen sowohl materiell als auch kulturell deutliche Zerfallserscheinungen. Die europäische Kultur begeht durch tief greifende politische Weichenstellungen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Selbstmord und taumelt ihrem Untergang entgegen. Wie oben schon gesagt: Der Untergang von Teilen der Gattung oder auch der gesamten Gattung ist nicht per se ausgeschlossen! Wir benötigen die Natur, aber die Natur benötigt nicht uns. Und die Urprogrammierung ist keine Erfolgsgarantie.
Krieg oder auch nur massive Konflikte, Unterdrückung, sind einfach. Spaltung und Verhetzung sind einfach. Aufeinander los gehen ist einfach. Es müssen nur Urtriebe und Überlebensängste geweckt und am Leben gehalten werden und schon läuft das Spiel von selbst. Und bietet für einige mächtige Personen beste Profitmöglichkeiten und erhöht ihre Überlebenschancen während die Masse das Gegenteil erfährt. Wie oben gesagt: Rücksicht ist nicht Gott gegebener Teil des Spiels.
Für Krieg reicht eines dieser Kriterien aus: Ungezügelte Macht, Gier, Egoismus, Neid, Überlebensängste, Hass und Hetze, Ideologie, Größenwahn.
Gepaart mit Gleichgültigkeit der Massen steht dem Konflikt nichts mehr im Wege.
Frieden erfordert mehr. Frieden erfordert eine gebildete, bewusste, aktive Gesellschaft. Frieden ist ein willentlich bewusst und aktiv herbeigeführter und aktiv bewahrter Zustand. Frieden erfordert die Einhegung natürlicher Triebe. Lebenslang. Von der überwiegenden Mehrheit der Menschen und vor allem auch vom Führungspersonal, so es welches gibt. Nur so können Machtexzesse verhindert werden.
Frieden benötigt all die folgenden Kriterien und vermutlich noch viel mehr (die Reihenfolge stellt ausdrücklich keine Priorität dar): Liebe (sowohl Eigenliebe als auch Nächstenliebe), Dankbarkeit, Selbstachtung, Achtung der Mitmenschen, Selbstverantwortlichkeit, Mitverantwortung, Respekt, Akzeptanz der Bedürfnisse der Mitmenschen, Einsicht in die eigene Fehlbarkeit, freiwillige Selbstbeschränkung, Machtbeschränkung (auch wenn es einem selbst betrifft), Miteinander, Dialog, Meinungsfreiheit, Offenheit, Kompromisse, Rücksicht, Einfühlungsvermögen, Achtsamkeit, Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit, Vertrauen, Zuversicht, Nachsicht, Toleranz, Willenskraft, Schaffenskraft, Disziplin, größtmögliche Freiwilligkeit, Versöhnungswille, Mut.
Frieden ist ein Kunstwerk, an dem alle Menschen mitwirken müssen!
Wer mit diesen Voraussetzungen für Frieden ein Problem hat und nicht bereit ist, alle diese Elemente einzubringen und selbst zu leben, aktiv dafür zu werben und diese in der Gesellschaft zu etablieren, der wird in Konflikten bis hin zu heißen Kriegen leben.
Nur wenn die überwiegende Mehrheit einer bewussten, sensiblen und wachsamen Gesellschaft die oben genannten Friedensvoraussetzungen verinnerlicht hat und bereit ist, diese zu leben und zu verteidigen, dann können Machtmenschen, Neidhammel, Gierlappen in Schach und von den Schalthebeln der Macht fern gehalten werden. Nur dann laufen Hetzer und Ideologen ins Leere. Und falls sie es doch einmal an die Hebel der Macht geschafft haben, braucht es wirksame Mechanismen, um den Schaden klein zu halten und sie möglichst schnell wieder von den Schalthebeln entfernen zu können.
Krieg ist so einfach, Frieden scheinbar so anstrengend.
Doch es ist nur anstrengend, wenn uns das Mindset fehlt. Wenn wir schon bei der Erziehung das entsprechende Mindset aufsaugen würden, schon bei der Erziehung das entsprechende Bewusstsein, dass Frieden eine aktive Mitarbeit aller erfordert, entwickeln würden, dann würden wir genau das leben und bewahren und es wäre wirklich selbstverständlich, ganz ohne gefühlte Anstrengung. Wir würden es nicht anders kennen. Wer die Probleme des Machtmissbrauchs kennt und die Werkzeuge hierzu, der kann eine Sensibilität aufbauen und sofort in den Alarmmodus wechseln, wenn auch nur der kleinste Schritt in die falsche Richtung droht.
Offensichtlich haben wir hierin kläglich versagt. Das Kriegsgeschrei ist so laut wie lange nicht mehr. Unsere Infrastruktur zerfällt, unser Wirtschaft geht Pleite oder wandert ab, wir zerstören unsere Lebensgrundlage, die Gesellschaft ist gespalten wie lange nicht mehr. Respekt, Einfühlungsvermögen scheinen Fremdworte zu sein. Die Mächtigen driften in einen Macht- und Kontrollrausch ab. Und die Masse der Gesellschaft tut – nichts. Wir haben in der Demokratie geschlafen, alle Sensoren abgeschaltet und drohen nun in der Diktatur aufzuwachen.
Es liegt an uns!
Jeder muss sich fragen, wie er leben möchte. Krieg oder Frieden? Frei und selbstbestimmt oder unterwürfig wie ein Käfighuhn? Mit Respekt vor Mitmenschen oder „Ich, ich, ich und nach mir die Sintflut“? Versöhnen und verbinden oder spalten und hetzen? Bereit, aktiv mitzuwirken oder sich in den Wellen des Meeres treiben lassen?
Es liegt an uns!
Vielleicht schaut alles sinnlos oder zu überwältigend, zu demotivierend aus. Auch der Autor dieser Zeilen hat immer wieder Momente, in denen er verzweifelt und mit geringer Hoffnung ist. Doch das ist bei einem Marathon-Lauf, einem Iron-Man-Wettkampf oder einer Besteigung des Mount Everest ebenso. Die Herausforderung erscheint erdrückend. Und doch fängt alles mit dem ersten Schritt an. Dann folgen weitere und weitere, Teams bilden sich, arbeiten gemeinsam am Ziel und am Ende ist das Ziel erreicht!
Es liegt an uns!
Machen wir den ersten Schritt. Ein jeder für sich, in seinem Umfeld. Und dann weitere und weitere. Schließen wir uns zusammen und gehen gemeinsam in die Zukunft. Bis wir wieder Frieden hergestellt und eine harmonische, lebensbejahende, zuversichtliche, respektvolle Gesellschaft erschaffen haben mit Machtkontrolle. Bis wir wieder frei und selbstbestimmt leben können. Und dann passen wir hoffentlich besser auf, dass uns diese friedliche, harmonische, lebensbejahende, zuversichtliche, respektvolle Gesellschaft nicht wieder zu entgleiten droht.
Und wem das alles viel zu kompliziert ist, für den würde es vielleicht für den Anfang reichen, nach dieser Lebensmaxime zu leben und dazu beizutragen, diese auch anderen Menschen ans Herz zu legen, sodass diese sich dem anschlössen:
Was Du nicht willst, was man Dir tut, das füg‘ auch keinem And’ren zu.
It’s your turn! Join in!
Bild:qtfix0017, KI-generiert mit muryou-aigazou.com/de








