The wonderful kingdom of the Unicorn

Der Weltraum. Unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2038,5. Die Regierung des Sterns „The wonderful kingdom of the Unicorn“ verhandelt mit der Regierung der Galaxie „El grandiosus Draco“ über einige Einkäufe. Für die mit den Verhältnissen des Universums nicht ganz so Vertrauten sei erwähnt, dass „The wonderful kingdom of the Unicorn“ ein verhältnismäßig kleiner, karg ausgestatteter Stern ist, der bedauerlicherweise seine besten Zeiten eindeutig hinter sich gelassen und nicht mehr viel zu bieten hat. Im Gegensatz dazu ist die große Galaxie „El grandiosus Draco“ quasi das KaDeWe im Universum. Dort gibt es alles, sogar das, was es nicht gibt. Diese Galaxie ist folgerichtig ein beliebtes Shopping-Ziel im Universum, wenn nicht sogar DAS Shopping-Ziel für alle – so auch für die Regierung des Sternes „The wonderful kingdom of the Unicorn“. Ehe wir der Verhandlung lauschen sei noch ein weiterer Punkt vorangestellt. Wegen einiger schlechter Erfahrungen in der Vergangenheit ist das Vertrauen zwischen den Handelspartnern im Allgemeinen unterausgeprägt. Getreu dem Motto „Was ich habe, kann mir keiner mehr nehmen“ ist man dazu übergegangen, Handel nur noch direkt „Ware gegen Ware“ durchzuführen. Geld in unserem Sinne kennt man dort nicht mehr.

Schreibtechnischer Hinweis: Um den geneigten und verständigen Leser nicht mit langatmigen Begriffen wie >>Regierung des Sternes „The wonderful kingdom of the Unicorn“<< und >>Regierung der Galaxie „El grandiosus Draco“<< zu langweilen und – ich gebe es zu – um schlicht Tinte und Zeit zu sparen werde ich nachfolgend schlicht die beiden Kürzel „Arm“ und „Reich“ verwenden. Hier der Dialog:

Arm: „Kannst Du mir ein paar Rohstoffe liefern? Ich bräuchte Eisen und Kupfer, Zink, Seltene Erden und Lithium. Des Weiteren Öl und Gas für die chemischen Werke – selbstverständlich nur als Rohstoff, nicht als Energieträger. Ferner bräuchte ich Medikamente, Kleidung, Computer-Chips, Photovoltaik-Panels und Windräder.“

Reich: „Sehr gut! Haben wir alles. Was kannst Du mir zum Tausch dafür anbieten?“

Arm (stolz): „Wir haben grünen Stahl!“

Reich: „Wir glauben nicht an Eure Religion. Wir produzieren Stahl anders und der ist halb so teuer. Deinen grünen Stahl wollen wir nicht.“

Arm: „Wir haben tolle Elektroautos!“

Reich: „Blechkisten mit Elektromotor können wir selbst. Und die sind dazu viel billiger. Deine Elektroautos wollen wir nicht. Aber wir lieben Autos mit echtem „Brumm Brumm“, sechs Zylinder, Bi-Turbo, 865 PS, wenn Du weißt, was ich meine!“ (Die Augen des Reichen leuchten förmlich!)

Arm (erhaben und vorwurfsvoll): „Solche Autos produzieren wir schon lange nicht mehr. Die sind das Werk des Teufels.“

Reich: „Schade, dann weiter im Text. Was kannst Du mir bieten?“

Arm: „Wir haben die besten Experten für Gender-Studies im ganzen Universum! Die könnten Euch die Gender-Studies beibringen.“

Reich: „Hahahahaha, Ihr seid auch die Einzigen, die sowas haben. Willst Du mich veralbern? Bleib bitte ernst! Habt Ihr vielleicht gute Kernphysiker?“

Arm: „Nein, haben wir abgeschafft. Kernphysik fanden wir nicht mehr gut. Aber mittags bei klarem Himmel und viel Wind kannst Du Strom von uns haben.“

Reich: „Strom habe ich selbst genug. Du weißt doch, dass ich Kraftwerke für meinen und Deinen Bedarf vorhalte, weil Dir immer wieder mal der Strom fehlt und Du dann zu mir kommst.“

Kurze quälende Stille. Dann plötzlich:

Arm: „Du kannst bei mir Urlaub machen! Wir wäre das?“ (Arm mit strahlenden Augen und freudig erregtem, offenem Mund, die Lösung gefunden zu haben glaubend.)

Reich: „Ihr habt eine tolle Landschaft“

Arm (fällt Reich begeistert ins Wort): „Siehst Du! Das ist doch super! Jetzt kommen wir ins Geschäft!“

Reich: „Warte, ich war noch nicht fertig. Ihr habt eine tolle Landschaft, die wäre echt sehenswert. Aber wie soll ich zu Euch kommen, seitdem Ihr Eure intergalaktischen Flughäfen wegen Eurer Religion dicht gemacht habt und nur noch die Regierung fliegen darf? Und wie soll ich bei Euch umherreisen, seit die Brücken und Straßen kaputt sind und man bei den Öffis nie weiß, ob sie fahren? Und nachts und in den Öffis tanzen die Messer, auf den Straßen liegen Obdachlose und Junkies herum. Das reizt nicht gerade viele in unserer Galaxie, verstehst Du? Dazu muss ich aufpassen, was ich sage. Ok, das ist kein Punkt, das habe ich bei mir auch, den streichen wir. Aber der Rest reicht. Noch dazu, wo es keine einzige Seele mehr bei Euch gibt, die ein Lächeln auf den Lippen hätte. Das tun wir uns nicht an. Höchstens als lebendes Beispiel, wie es nicht sein soll und wie wir es schon lange hinter uns gelassen haben. Aber das interessiert nicht viele bei uns. Das reicht höchstens für hundert Lastwagen Lithium. Was hast Du sonst noch zu bieten?“

Arm: „Wir haben die größten zusammenhängenden Solar- und Windparks aller Galaxien!“

Reich: „Ich weiß, die habt Ihr von uns, hehe. Dürft Ihr behalten. Wie ich schon sagte, wir glauben nicht an Eure Religion. Und anschauen können wir uns die auch nicht, das habe ich Dir auch gerade erklärt. Habt Ihr wenigstens etwas zu essen für uns? Fleisch, Milch, Käse, Getreide, Gemüse?“

Arm (mit tief gesenktem Blick und trauriger Stimme): „Leider nein. Viehwirtschaft haben wir komplett abgeschafft wegen unserer Religion, Du weißt schon. Und das Grünzeug“ (Arm holt tief Luft) „seitdem wir auf superökologische Landwirtschaft umgestellt haben reicht die Ernte gerade noch so für uns selbst.“

Reich (inzwischen sichtlich genervt): „Es ist schwierig, mit Euch Geschäfte zu machen!“

Erneute, quälende Pause im Gespräch.

Reich: „Warte, mir fällt noch etwas ein. Ich liebe Pferde und Immobilien. Hast Du da was für mich?“

Arm: „Wenn ich Dir meine Pferde gebe, wer zieht dann den Pflug? Das kann ich nicht machen! Und Immobilien haben wir, aber wenn wir Dir unsere Häuser geben, wo sollen wir dann wohnen und wie sollen wir die Miete bezahlen wenn wir keine Pferde und Häuser mehr besitzen?“

Rrrrrrring, rrrrrring. Das Telefon klingelt.

Arm: „Die rote Leitung? Entschuldige bitte, ich muss kurz an das Telefon.“

Arm hebt ab.

Telefonstimme: „Howdie Fellow, wie geht’s? Hier sprickt Häuptling Orangene Feder. I will sprecken mit Dir über unser Fucking Fracking Gas! Wenn Du will haben weiter mein Gas was you can gebe mir dafür im Tausch?“

Hier, im Moment der höchsten Spannung, endet leider der Dialog aus der fernen Galaxie, denn es wurde dort Nacht und die Batterien der Funkstationen liefen leer.

Wie schön, dass das bei uns auf der Erde und besonders in unserem Land vollkommen anders ist. Überall florierende Wirtschaft, Güter zum Tausch wohin man sieht. Religion ist eine private Angelegenheit und keine des Staates. Wir können uns des Ansturms unserer Wirtschaftspartner nach unseren Produkten gar nicht mehr erwehren. Alle wollen wissen, wie wir das schaffen. Die Brücken und Straßen erstrahlen wie neu, Messer liegen nur in der Küchenschublade, die Menschen liegen sich in den Armen und lächeln allerorten. Busse und Bahnen sind blitzblank und fahren sekundengenau, Energie ist günstig, wir sind bei allen MINT-Fächern weltweit führend. Der Tourismus floriert. Alle sind begeistert dabei. Politik, Kirche, Gewerkschaften, Medien, Verbände, Firmen, Vereine, NGOs, Privatleute, alt und jung, dick und dünn, schwarz und weiß, arm und reich, einfach alle Menschen wissen, wie man Wohlstand aufbaut und bewahrt (das wird schon in der Schule gelehrt), handeln danach und sind glücklich. Wir sind sowas von reich! Was will man mehr …

Mitteilung: Braucht es diesen Hinweis? Ich kann nicht im Universum reisen, sollte eigentlich klar sein. Daher kann ich auch nicht sagen, ob es „The wonderful kingdom of the Unicorn“ und „El grandiosus Draco“ wirklich gibt in unserem Universum. Falls jemand was weiß, gerne Bescheid sagen! Trotzdem: Dieser Text ist Science Fiction. Er ist komplett frei erfunden, kompletter Bullshit und jegliche Ähnlichkeiten mit realen Sachverhalten oder lebenden Personen wären rein zufällig und nicht intendiert.

Graphik: qtfix0017

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