Nachhall der Terroranschläge auf Nord Stream

Von Ped

Apr 14, 2023 ARD-Tagesschau, Joe Biden, Nord Stream, Olaf Scholz, Pascal Siggelkow, Seymour Hersh, Terrorismus

Stimmt es, was da Anfang Februar des Jahres über die Sabotage an den Gasleitungen in der Ostsee bekannt wurde? Nun, das ist gar nicht die entscheidende Frage!


Es liegen nun bereits zwei Monate zurück, seit der weltbekannte Journalist Seymour Hersh seine Enthüllungen zu den Anschlägen auf die Erdgasleitungen Nord Stream 1 und 2 veröffentlichte. Dass der Verfasser dieser Zeilen den Status des Journalisten betont, dient nicht der Lobhudelei, sondern ist ein wichtiger Aspekt der Diskussion im öffentlichen und im zu veröffentlichenden Raum, dazu später mehr. Die politisch-medialen Geschehnisse in den Wochen danach, ja bis heute, sind höchst aufschlussreich und möchten im Folgenden näher beleuchtet werden.


Die Veröffentlichung des Seymour Hersh, sie schlug im Februar 2023 ein wie eine Bombe. Nachdem sich jedoch alle Seiten geschüttelt hatten, begann ein bemerkenswerter Kampf um die Deutungshoheit. Doch nicht nur das, es wurde deutlich, dass hinter den Kulissen auch erbittert darum gerungen wurde und wird, welche Themen überhaupt diskutierbar seien. Unübersehbar war es einer ganzen Reihe von Leuten äußerst unangenehm, dass das Thema der Terroranschläge auf Nord Stream plötzlich wieder hell im allgemeinen Fokus aufleuchtete. Sehr rasch und von verschiedenen Seiten her wurde die Erzählung, die der Pulitzer-Preisträger in die Öffentlichkeit brachte (1), dann zerpflückt.

Hershs Bericht ist eine wichtige Prüfung auf Unvoreingenommenheit, und außerdem zielt er auf unterschiedliche Adressaten. Entsprechend ist auch der Zweck der Veröffentlichung nicht eindeutig. Kommen wir zum ersten Adressaten: der Öffentlichkeit. Damit sind wir gemeint.

Die wertewestlichen, europäischen Massenmedien positionierten sich in der bekannten Weise. Sie stellten sich schützend vor den Lehnsherren ihrer Regierungen, die Administration in Washington. Die Medien sind in Propaganda geübt, in ernsthafter Recherche aber zunehmend inkompetent. Eine dieser propagandalastigen Schreiber bei der ARD heißt Pascal Siggelkow. Er streute alte Lügen in seine „Argumentation“. Dieses eher unauffällige Pflegen von Geschichten, die die Realität in der Vergangenheit und somit auch Gegenwart verzerren, hat eine beabsichtigte Wirkung. Sie ist meinungsbildend:


An: publikumsservice’at’tagesschau.de, tagesschau’at’ndr.de

Offener Brief an Pascal Siggelkow (ARD-Faktenfinder)

Guten Tag, Herr Siggelkow,

im Rahmen einer dürftigen Analyse, die Sie am 9. Februar des Jahres zu den Veröffentlichungen des Journalisten Seymour Hersh über die Terroranschläge auf die Erdgas-Pipelines Nord Stream 1 und 2 verfassten, fiel mir eine Aussage Ihrerseits auf, die mich veranlasst, Sie als manipulativ hantierenden Desinformanten zu den Geschehnissen im Syrien-Krieg zu bezeichnen und diese ihre Lügen als Argument zur Schwächung von Seymour Hershs Bericht zu nutzen. Sie seien zitiert:

„Hersh nicht unumstritten […] Zuletzt war der 85-Jährige jedoch mit fragwürdigen Recherchen aufgefallen. So behauptete er unter anderem mehrfach, dass die Giftgasangriffe in Syrien inszeniert worden seien.“ (2)

Meine Frage an Sie: Welche Erkenntnisse liegen Ihnen vor, die Sie dazu ermutigen, Hershs Recherchen zu den Giftgasangriffen in Syrien als fragwürdig zu bezeichnen. Da Sie seine Behauptung über die Inszenierung dieser Angriffe hier versuchen zu entkräften, um so die Glaubwürdigkeit des Journalisten in Frage zu stellen, fordere ich Sie auf, mir die einsehbaren Primärquellen zu den syrischen Vorfällen zu liefern, in denen zweifelsfrei nachgewiesen wird, dass Hershs These einer Inszenierung falsch war.

Bis dahin werfe ich Ihnen öffentlich vor, dass Medienpublikum, in Bezug auf die Syrien-Ereignisse in den vergangenen zwölf Jahren, vorsätzlich zu täuschen. Diese Anfrage wie auch Ihre Antwort werden als öffentlicher Brief behandelt.

Mit freundlichen Grüßen,

Peter Frey


Belassen wir es bei diesem einen Beispiel. Letztendlich war das Untersuchen der Schwachstellen in Hershs Erzählung durch die Massenmedien ganz allgemein davon gekennzeichnet, dass man sich mit tatsächlichen Schwächen in selbiger gar nicht befasste und das Ganze versuchte, über bewährte propagandistische Methoden in Frage zu stellen. Der Zweck war deutlich: Man versuchte den Geist wieder in die Flasche, die Geschichte vom öffentlichen Erzählraum weg zu bekommen. Denn das Thema war doch abgehakt, still ruhten die stillgelegten Pipelines in der See, sie waren von der Tagesordnung gestrichen. Der „Faktenfinder“ Siggelkow (siehe der offene Brief oben) schreibt es sogar selbst, freilich nur indirekt und mit hoher Wahrscheinlichkeit ohne überhaupt zu verstehen, was er da vermittelt:

„»Wie die USA die Nord Stream Pipeline ausschalteten«, lautet die Überschrift des Berichts, der ein politisch hochbrisantes Thema zurück auf die Tagesordnung brachte — die Explosionen in der Ostsee, die drei der vier Pipelineröhren von Nord Stream 1 und Nord Stream 2 beschädigte.“ (2i)

Was den „Faktenfindern“ um Siggelkow überhaupt nicht bewusst war, besteht in der Tatsache, dass sie mit der obigen Aussage den Scheinwerfer auf sich selbst richteten.

Wenn ein Thema politisch hochbrisant ist, kann es gar nicht von der Tagesordnung verschwinden. Eben diese Brisanz ist ja ein gefundenes Fressen für jeden ernsthaften Journalismus. Medien, die ihren Fokus auf Journalismus statt Auftragsarbeit richten, würden sich wie die Kletten an das Thema hängen. Aber nein, die „Qualitätsmedien“ saßen es, genauso wie die politisch Verantwortlichen, still und leise aus.

Und nun argumentierte sich (nicht nur) der „Faktenfinder“ um Kopf und Kragen. Diejenigen die Hersh und seinen Bericht versuchten, unglaubwürdig zu machen, leisteten in diesem Bemühen der eigenen Unglaubwürdigkeit fleißig Vorschub. Die in den Massenmedien aufkommenden, geradezu hektischen Aktivitäten, der neuen Geschichte zur Sabotage der Pipelines etwas entgegen zu setzen, weisen darauf hin, dass man auf diesen Angriff nicht vorbereitet war.

Wir können davon ausgehen, dass in Hershs Bericht sich Dichtung und Wahrheit abwechseln. Der Text enthält außerdem eine ganze Reihe von Fakten, für die es keiner Geheimdienstquelle bedarf, weil diese Fakten schon immer öffentlich zugänglich waren. Das Problem für die Hüter des öffentlichen Narrativs besteht darin, dass bei ernsthafter Befassung mit dem Bericht selbst, dessen Inkonsistenzen zu Tage getreten wären, aber damit auch Wege zu den tatsächlichen Tätern, samt Vorgehen aufgezeigt würden (3).

Wenn der narrative Raum einen Nebel aus Fälschungen und Verzerrungen darstellt, kann man die in ihm Herumirrenden jederzeit an die Hand nehmen, um ihnen einen rettenden Weg aus der Ausweglosigkeit anzubieten und sie dann dorthin zu führen, wo sie den „Gestaltern“ am zweckmäßigsten dienen.

Weil nun der Deckel angehoben wurde, womit sich der Nebel etwas lichtete, bestand dringender Handlungsbedarf. Es ist nicht so bedeutsam, was widersprüchlich an der Hersh-Geschichte ist. An ihr ist mehr als genug richtig. Mehr als genug, um den Nebel zu lichten.

Umgehend musste daher das Gefühl von Desorientierung und nicht zu bewältigender kognitiver Dissonanz wiederhergestellt werden. Der Unsinn kann gar nicht groß genug sein, mit dem man das Publikum füttert. Da werden Freizeitterroristen ins Spiel gebracht, die mit einer Yacht in See stechen, Bomben in 90 Metern Tiefe legen und dann unentdeckt wieder verschwinden. Irgendwann — die Nummer funktioniert im etablierten wie kontrollierten, öffentlichen Bewusstsein einfach zu gut — ist es dann auch mal wieder „der Russe“ gewesen (4).

Im Falle der Hersh-Erzählung erscheinen viele Dinge auf den ersten Blick so schlüssig, dass es schwer fällt, diese zu entkräften. Das ist — so meine ich — eine emotionale Falle. Zu gern laufen wir in den Bestätigungsfehler (Confirmation Bias) hinein, einfach weil es so schön zum verinnerlichten Bild passt. Damit können wir allerdings auch schön an der Nase herumgeführt werden.

Denn wir reden auch in diesem Falle nur von Korrelationen! Wenn Biden im Februar 2022 neben dem deutschen Bundeskanzler steht und tönt, dass er dafür sorgen wird, dass Nord Stream stirbt, ist es naheliegend, dass er das auch veranlasst hat. Aber es ist nicht zwingend logisch. Biden hat eben „nur“ gedroht. Wie sich auch weitere hochrangige US-Politiker „nur“ gefreut haben (5). Die US-amerikanische Administration droht ständig. Drohungen sind das politische Standardwerkzeug Washingtons. Man droht, um Gehorsam zu erzwingen. Und wenn das nicht zieht, zieht man die Daumenschrauben an.

Was sagt uns das?

Es ist erst noch zu beweisen, dass die Sprengung der Ostsee-Pipelines so vor sich ging, wie es Hershs Bericht uns vermitteln will. Allein sich auf den Anschlag zu konzentrieren, könnte bereits ein gewolltes Ablenkungsmanöver sein (6). Wahrscheinlich handelt es sich um zwei oder gar mehr Operationen, schon aufgrund der räumlichen Entfernung der Anschlagorte. Aber nur durch diesen Bericht sind wir nun in den Genuss neuer Geschichten gekommen — und was für welcher!

„[…] Vier Tage nach dem Treffen von Scholz mit Biden veröffentlichte die New York Times ein sensationelles Medienleck in Bezug auf Nord Stream und schrieb die Sabotage einer »pro-ukrainischen Gruppe« zu, die aus fünf Männern und einer Frau bestand und eine in Polen gemietete Yacht benutzte. Das Schiff wurde später von deutschen Ermittlern gefunden — ebenfalls ein Medienleck in Berlin — und entpuppte sich als die Andromeda, ein Segelboot vom Typ Bavaria C50. Die Gruppe soll am 6. September 2022 von Rostock aus zu ihrer Mission aufgebrochen sein. Die Ausrüstung für die Geheimoperation wurde angeblich in einem Lastwagen zum Hafen transportiert.“ (7)

Da müssen die Köpfe von Spin-Doktoren und nachfolgend die Informationskanäle ordentlich geraucht haben, um sich solch einen Blödsinn auszudenken und an das sedierte Publikum weiter zu reichen. Die Netzwerke für die Verbreitung solcher Nachrichten sind bewährt und sie wurden auch für den „investigativen Paukenschlag“ entsprechend vorbereitet (siehe weiter unten). Da die erzählten Geschichten jedoch immer abstruser werden, könnte sich die beabsichtigte Wirkung des Sedativums allerdings irgendwann in ihr Gegenteil verkehren.

„Die deutsche Tageszeitung Die Zeit unterstützte die Darstellung der Times in Echtzeit. Doch der Bericht selbst ist voller Ungereimtheiten. Fragen gibt es zuhauf: Wie konnte eine gecharterte 15-Meter-Yacht die geschätzten 1.500 bis 2.000 Kilogramm Sprengstoff transportieren, die für den Sabotageakt benötigt wurden? Wie konnte die Andromeda, die über keinen Kran verfügt, eine so große Menge an Sprengstoff sicher ins Wasser hieven?“ (7i)

Wie gesagt: Wenn man so einen Nonsens verzapft, muss die Not groß sein.

Schon im Herbst hatte man das Publikum, das man offensichtlich komplett für verblödet hält, mit Humoresken auf dem Laufenden gehalten. So durfte ein Team von Greenpeae den Ort des Anschlags untersuchen (8). Lustig, nicht wahr? Die verantwortlichen Institutionen der betroffenen Ostsee-Anrainerstaaten wagten sich nicht an eine gemeinsame, unabhängig überprüfbare, öffentlich begleitete, kriminaltechnische Untersuchung in diesem NATO-verseuchten Teil der Ostsee heran. Aber später schickte man Greenpeae an den Ort des Geschehens. Weil die besonders unabhängig sind, über mehr technische Möglichkeiten und Expertise zur Aufklärung solcher Anschläge verfügen?

Schweden hatte das betroffene Gebiet nach den Explosionen eine Woche lang gesperrt, obwohl es sich nicht einmal um dessen Hoheitsgebiet sondern lediglich eine Sonderwirtschaftszone handelt. In jener Zeit hatte schwedisches Militär „Beweismittel geborgen“. Welcher Art die sind und wo sie sich jetzt befinden, bleibt geheim. Schwedische Kriegsschiffe hatten sich bis zum 25. September, kurz vor den Anschlägen, in dem Gebiet befunden (9). Anderthalb Wochen vor der Explosion bei Nord Stream 1 kurvte auch ein deutsches Marineschiff tagelang in der Nähe der gesprengten Leitungen herum. Das Marinekommando stufte den Einsatz als Routine und gleichzeitig als „der strengen Geheimhaltung unterliegend“ ein (10).

Technik des NATO-Bündnisses sah man zuvor aller Orten in der Gegend der Anschlagsorte, die Ostsee war voll von ihnen. Wenige Wochen später stand bereits das nächste Ostsee-Manöver auf dem Plan. Und nun raten sie doch einmal, auf welche geniale Idee der (rein formale) Oberhirte dieses Bündnisses, kam:

„Nach der mutmaßlichen Sabotage an den Erdgaspipelines Nord Stream 1 und 2 will die NATO die Schutzmaßnahmen für kritische Infrastruktur stärken. Das sagte NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg bei einer Pressekonferenz in Brüssel.“ (11)

Der Norweger Stoltenberg ist (noch) NATO-Generalsekretär, und unter seiner Leitung wollte man über „Schutzmaßnahmen für kritische Infrastruktur“ beraten, lustig nicht wahr? Stellen Sie sich auch gerade vor, wie man von einem polnisches Segelboot aus, tagelang — durch das die Ostsee verunsichernde NATO-Militär unentdeckt — Sprengsätze an Pipelines pappt, um dann ungesehen wieder davon zu schippern? Ein halbes Jahr später amüsierte Stoltenberg auf zweifelhafte Weise seine Zuhörerschaft, als er erklärte, noch keine Erkenntnisse darüber zu haben, wer für den Anschlag verantwortlich sein könnte (12). Sein Laden ist aber genau jener, der es wissen MUSS. Denn näher und länger als die NATO-Kriegsspieler war nie jemand am Schauplatz dran!

An dieser Stelle biete ich dem geneigten Leser ein Sprichwort von Erich Kästner an:

„Was auch immer geschieht:
Nie dürft ihr so tief sinken,
von dem Kakao, durch den man euch zieht,
auch noch zu trinken.“ (13)

Die „Investigativen“ der Massenmedien hierzulande waren in jenen Tagen und danach so unglaublich klein, leise, so still und zurückhaltend…

Jede einzelne dieser Episoden weist uns darauf hin, dass man hier versucht, Ungeheuerliches zu verbergen.

Wie war doch noch die Abfolge der Ereignisse, als der Hersh-Bericht bei Substack veröffentlicht worden war?

Hersh veröffentlicht seinen Bericht. Die Medien kommen nicht umhin, ebenfalls davon zu berichten. Die „andere Seite“, also alle die nicht die Stiefel von Davos und Washington küssen, greifen das Thema dankbar auf und halten es lebendig. Und Russland fordert das naheliegende, das, was es immer gefordert hat: eine umfassende, unabhängige Untersuchung.

Wenig später tanzt der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz beim in jeder Hinsicht betagten US-Präsidenten Joe Biden in Washington an. Sie können sich an den letzten Besuch eines deutschen Staatsoberhauptes unter diesen Umständen erinnern — extrem kurzfristig angesetzt, ohne journalistische Eskorte, ohne Protokoll (14)? Sie können sich nicht erinnern? Dann sind Sie mit mir in guter Gesellschaft.

Was wird wohl Biden dem Scholz ins Ohr geflüstert haben (15)? So viel dürfte es nicht gewesen sein. Die entscheidende Information wird gewesen sein, dass es das emsig versorgte Netzwerk der Gleichstrommedien schon richten wird und die deutsche Regierung da bitte nicht störend eingreifen möge. Eine Positionierung dahingehend, dass man auch weiter intensivst ermittelt, würde völlig genügen. Wenig später wird in einer konzertierten Medienaktion die Räuberpistole mit der „Terroristen-Yacht“ vom Stapel gelassen und knapp drei Wochen später muss wieder einmal der Russe dran glauben (16). Nur wer fest in der Matrix klebt, fällt auf solch einen Schwachsinn noch herein.

Aber Achtung: Vielleicht war Scholz gar nicht aus besagten Gründen dort? Oder diese Gründe waren eher nachrangig und er wurde für seinen Unwillen zur unbedingten totalen Kriegsführung in der Ukraine zur Rede gestellt? Dass Scholz seit Kriegsbeginn laviert, ist unübersehbar. Es zeigt, dass Washington die Leine zur Berliner Regierung straff halten muss.

Es gibt ein sehr großes Reservoir an angestellten Terroristen in den westlichen Staaten, aus denen man schöpfen kann, um Nord Stream zu sabotieren. Die Briten sind mit ihren Geheim- und Spezialdiensten geradezu berühmt-berüchtigt dafür (17 bis 19). Und auch der deutsche Geheimdienst kann so etwas. Das Attentat auf den Deutsche Bank – Präsidenten Alfred Herrhausen haben die US-Amerikaner vollbracht, das Celler Loch auch? Oder wohl eher nicht? Wollen wir für Nord Stream eine direkte oder indirekte Beteiligung deutscher Geheimdienste, Militärs und hoher Politiker ausschließen (20)? Die Machtblöcke sind natürlich nicht homogen und innerhalb derer wird um Macht und Einfluss gekämpft, auch in Deutschland. Wenn wir davon ausgehen, dass sich eine tiefe Spaltung durch die gesamte deutsche Gesellschaft zieht, macht das vor dem oberen Teil im Machtgefüge nicht halt.

Um richtig im Schlamassel des Terroranschlags zu stecken, muss man die Leitungen nicht gesprengt haben. Es genügt zum Beispiel, dass die deutsche Marine, politisch beauftragt, mit ihrer Präsenz die Sabotage von Nord Stream gedeckt hat. Ganoven nutzen solch eine Methode gern. Nämlich aus dem Pool der Opfer Mitwisser und Mittäter zu rekrutieren, die dann ihrerseits ein Interesse haben, das Verbrechen zu decken. Das wäre natürlich Hochverrat (21, 22).

Der viel tiefer liegende Grund für den nun veranstalteten Popanz ist jedoch ein anderer. Was macht es für die derzeit praktisch die westliche Politik — und damit auch die deutsche Politik — Steuernden so bedeutsam, gegen Hershs Bericht anzugehen, das Thema wieder und nun nur noch tiefer zu begraben?

Sie, die hier regelrecht am medialen Rad drehen, wissen, dass das Projekt Nord Stream jederzeit wieder zum Leben erweckt werden kann. Sie wissen es, die „Anderen“ in Deutschland wissen es und Russland weiß es auch. So ungeheuerlich die Sabotage der Erdgasleitungen auch ist, schlummert in dieser die Chance für einen Neuanfang. Die Terroristen könnten tatsächlich überzogen haben.

Es ist doch überaus interessant, dass in den vergangenen Wochen der Sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer das Thema Nord Stream thematisierte und eine Reparatur der Leitung forderte (23).

Gefragt, ob er noch eine Zukunft für Nord Stream sähe, erklärte der russische Präsident:

„Ja, natürlich, das glaube ich. Wenn unsere europäischen Partner daran interessiert sind, wenn ihr Instinkt für nationale Interessen wiederbelebt wird, dann hat das Projekt natürlich eine Chance. Aber manchmal habe ich den Eindruck, dass sie alles tun, was man ihnen von der anderen Seite des Ozeans sagt.“ (24)

Die russische Diplomatie weiß, wie sie mit dem Hersh-Bericht umzugehen hat und vor allem, was er bedeutet. Es ist selbstverständlich ein politisches Manöver, in dem Seymour Hersh nicht weniger aber im Grunde auch nicht mehr als die Rolle des Mediums ausfüllt. Nikolaj Patruschew, Sekretär des russischen Sicherheitsrates und sich im Folgenden nicht speziell auf diesen Bericht beziehend, erklärt uns indirekt, dass auch dieser, der Hersh-Bericht eine unabhängige Untersuchung in keiner Weise ersetzen kann:

„Ich betone, dass man Anschuldigungen, die nicht durch die Ergebnisse einer unparteiischen Untersuchung gestützt werden, nicht trauen kann. Deshalb besteht Moskau auf einer objektiven Untersuchung unter Beteiligung Russlands und anderer interessierter Länder. Andernfalls erklären einseitige subjektive Darstellungen des Terroranschlags nichts.“ (25)

Finden Sie das nicht faszinierend? Der Hersh-Bericht hat nicht nur den Terroranschlag auf die Erdgasleitungen zurück in den Informationsraum katapultiert. Er hat auch — weil er selbst das auch gar nicht leisten kann — die dringend notwendige, öffentliche Plattform bereitgestellt, von der herab eine tatsächlich unabhängige Untersuchung des Anschlags gefordert werden kann. Eine solche Forderung ist dermaßen eingängig und schlüssig, dass sie im zu veröffentlichenden Raum nicht einmal auf- und angegriffen wird.

Dieser Raum ist der von zu veröffentlichenden Informationen, aber ein öffentlicher Raum ist er in Wirklichkeit nicht. Man befindet sich in einer Matrix, in der sorgfältig Geschichten gewebt und Informationen gefiltert werden. Der tatsächliche öffentliche Raum ist sehr viel, ja unfassbar größer als diese Matrix. Doch streben die Hüter der Matrix nach Abgeschlossenheit, weil nur so eine effektive Steuerung derjenigen möglich ist, die diese, in der Matrix veröffentlichte Meinung verinnerlichen müssen.

Nun ist der verbindliche Informationsraum, eben die Matrix, mitsamt seinen „Qualitätsmedien“ nach außen hin zunehmend löchrig geworden. Die Matrix-Bewohner schauen immer wieder irritiert durch diese undichten Stellen und geraten in Dissonanz. Das ist gut. Sie wissen ja, wo Seymour Hersh seinen Bericht früher veröffentlichte: im zu veröffentlichenden Raum, zum Beispiel in der New York Times. Was nicht in solchen Medien erschien, das gab es praktisch nicht. Der Bericht zur Sabotage von Nord Stream erschien aber wo? Auf Substack, und wurde wahrgenommen. Wer kennt Substack? Substack ist relevant im Informationsraum? Haben wir hier etwas verpasst? Ich meine, wir leben in spannenden Zeiten (26).

Hersh sagte selbst:

„Das Weiße Haus lässt die New York Times, die Washington Post, MSN [Microsoft Network] und CNN für sich arbeiten. […] Der Feind ist Fox News. Der einzige Reporter, der mich von einem Fernsehsender angerufen hat … war Tucker Carlson [von Fox News].“ (27)

Wer nun wäre geeignet, die Anschläge auf die Pipelines zu untersuchen? Die Antwort liegt auf der Hand. Jeffrey Sachs, seit vielen Jahren für die Vereinten Nationen (United Nations Organization = UNO) tätig:

„Die Zerstörung der Nord Stream-Pipelines am 26. September 2022 ist ein Akt des internationalen Terrorismus und stellt eine Bedrohung des Friedens dar. Es liegt in der Verantwortung des UN-Sicherheitsrats, sich mit der Frage zu befassen, wer die Tat begangen haben könnte, um den Täter vor die internationale Justiz zu stellen, eine Entschädigung für die Geschädigten anzustreben und künftige derartige Handlungen zu verhindern.“ (28, a1)

Die Untätigkeit der UNO in dieser Frage ist entlarvend. Das Naheliegende wird nicht getan, weil die UNO in ihrem Wesen leider nicht dem entspricht, an was wir so gern glauben und im öffentlichen Erzählraum gesagt bekommen: Dass diese Organisation unabhängig sei (29). Das kann sie gar nicht.

Die UNO unterliegt den gleichen Einflüssen wie Regierungen und andere supranationale Organisationen. Sie spiegelt die derzeitigen Machtverhältnisse, aber zunehmend auch die Heterogenität des globalen Systems wider.

Um Vorwände für völkerrechtswidrige Angriffskriege der USA und ihrer westlichen Vasallen im Irak, in Syrien und Libyen zu erbringen, war die UNO gut genug. Aus der Causa Nord Stream lässt sich jedoch für den US-geführten Wertewesten kein Kapital schlagen, also sabotiert man nach der Pipeline logischerweise auch die Ermittlungen zur Aufklärung des Verbrechens.

Machen wir es noch ein wenig komplexer. Ereignisse dieser Art sind von Natur aus komplex. Schließlich resultieren sie aus vielfältigen Einflüssen unterschiedlicher Akteure, welche jeweils für unterschiedliche Interessengemenge stehen. Seymour Hersh hat sich nach seiner Veröffentlichung weit aus dem Fenster gelehnt. Er hat gefordert: „Man muss den Präsidenten [der USA] zur Verantwortung ziehen“ (27i). Damit zielt Hersh auf eine kriegsgeile Kabale, die unter den Symbolen von Corona-, Gender- und Klimawahn Kriegspolitik für eine Herrschaftsschicht betreibt, die sich ein gigantisches Geschäft plus noch mehr Einfluss und Kontrolle erhofft, wenn mit eben dieser Politik ein globaler „Great Reset“ eingeleitet werden könnte. Es gibt eine Reihe von Machtgruppen in den USA, welche dadurch eigene Interessen insgesamt ernsthaft bedroht sehen und eine Abkehr von der aktuellen Politik anstreben.

Kurz gesagt, wird in in den USA beinhart um die Macht gekämpft. Die „Demokratische Partei“ in den USA wird von Eliten der Neokonservativen und Davos-Clique geprägt und „Papa Joe“ aus „ihrer Biden-Familie“ ist die derzeit in Stellung gebrachte Sprechpuppe. Dabei stecken Vater Joe und Sohn Hunter bis zum Hals in einem Sumpf aus Korruption und Amtsmissbrauch, was sie zu einem attraktiven Angriffsziel der republikanisch geprägten Widersacher macht. Im Gegenzug versuchen „die Demokraten“ mit allen möglichen und unmöglichen Mitteln, den ehemaligen US-Präsidenten Trump von der Macht fernzuhalten. Wobei die Intrigen zum Teil und bezeichnenderweise in der Ukraine gewebt wurden, genau dort, wo die Bidens viel, sehr viel Dreck am Stecken haben (30 bis 35).

Es gibt da im Dunstkreis der Macht in Washington offenbar eine ganze Reihe von Akteuren, die nicht offen auftreten, aber der derzeitigen US-Administration und den anhängigen Gleichstrommedien delikate Fallen stellen, in die jene dann auch prompt hinein tapsen. Ohne dies jetzt weiter zu begründen, nur als inspirierende Denkanstöße, seien drei Beispiele genannt:

Die lancierte „Ballonaffäre“, in deren Folge das Establishment chinesische Wetterballone (oder auch nicht) zur Gefahr für die einzigartige Nation hochjazzte, während die selbigen tagelang in der Nähe und über US-Territorium herumschwebten. Oder die Sache mit der MQ9-Reaper-Drohne, welche extrem nahe der Krim operierte, was dafür sorgte, dass das mit Hochtechnologie vollgestopfte Fluggefährt indirekt oder direkt vom russischen Militär gen Boden befördert wurde. Beachten Sie die Reaktion der USA auf das Ereignis, ein maximales Eingeständnis von Schwäche, denn die Drohnen fliegen nun zwar wieder, allerdings etwa 150 Kilometer weiter weg von Russlands Grenzen am Schwarzen Meer. Schließlich das fortwährende Durchsickern von Dokumenten aus dem Weißen Haus und dem Pentagon, welche die verbindlichen Narrative in Frage stellen.

Dort hinein gehören auch die Informationen, die Seymour Hersh zugespielt wurden. Sie nagen an den Narrativen. Außerdem verunsichern solche Episoden das Establishment, weil diesem aufgezeigt wird, dass es die Dinge und auch nicht die Menschen im Apparat so kontrollieren kann, wie es das gern tun würde. Das erhöht deren Paranoia und die Anzahl hektischer, ja hysterischer Kurzschlussreaktionen. Dadurch wiederum sinkt die Glaubwürdigkeit der aktuell Mächtigen und mit dieser auch die der verbreiteten Erzählungen.

Monate nach den Anschlagen durften Spezialisten des Hauptgeschädigten, nämlich des russischen Konzerns Gazprom, mit Erlaubnis der dänischen Regierung endlich die Stätte des Geschehens untersuchen. Geben wir dem russischen Präsidenten das Wort:

„[…] Gazprom beschränkte sich nicht darauf, nur den Explosionsort zu untersuchen. Das von Gazprom gemietete Schiff fuhr entlang der Pipeline weiter und in etwa dreißig Kilometer Entfernung vom Explosionsort wurde ein Pfosten an einer Stelle wie dem Explosionsort gefunden. Was ist das für eine Stelle? Das ist die am meisten gefährdete Stelle der Gaspipeline, eine Rohrverbindung. Und an dieser Stelle wurde ein Pfosten gefunden. Experten glauben, dass es sich dabei um eine Antenne handeln könnte, die ein Signal empfängt, um einen Sprengsatz zu zünden, der möglicherweise unter dem Pipelinesystem platziert wurde.“ (24i)

Es ist schwierig, Wladimir Putin für alles Elend dieser Welt verantwortlich zu machen, wenn er solch vernünftige Vorschläge vorbringt. Angebote, die man im Grunde nicht ablehnen kann. Denn die Demokratien des Westens wurden doch angegriffen und lückenlose Aufklärung sei gefordert. Dabei weiß er, Putin, dass er „die Partner“ an einer Stelle hat, an der es richtig weh tut:

„Jetzt möchten wir von der dänischen Regierung natürlich die Erlaubnis erhalten, die notwendigen Untersuchungen durchzuführen, entweder allein oder gemeinsam mit ihnen, oder noch besser, indem wir ein internationales Team von Experten und Sprengstoffexperten bilden, die in solchen Tiefen arbeiten können. Und die natürlich, wenn nötig, diesen Sprengkörper entschärfen, falls er dort ist. Aber als wir die dänische Regierung danach fragten, erhielten wir die Antwort, dass sie darüber nachdenken müssten und uns eine Antwort geben würden, wenn sie es für möglich hielten. Diese vage Antwort haben wir erhalten.“ (24ii)

Wir sollten das Thema lebendig halten, so meine ich. So wie das Thema der Korruption der Biden-Familie und deren Verwicklung in den Ukraine-Konflikt, und das der ukrainischen Biolabore unter US-Aufsicht in Nähe der ukrainisch-russischen Grenze, auch der Verwicklung von Oligarchen wie George Soros, Larry Fink, Jeff Bezos, Bill Gates und anderen in die Konflikte dieser Welt. Deren trickreich installierte Glaubwürdigkeit muss auch in der Matrix des zu veröffentlichenden Erzählraums beschädigt, oder aber letzterer nachhaltig aufgebrochen werden.

Bitte bleiben Sie schön aufmerksam, liebe Leser.


Anmerkungen und Quellen

(Allgemein) Dieser Artikel von Peds Ansichten ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen – insbesondere der deutlich sichtbaren Verlinkung zum Blog des Autors – kann er gern weiterverbreitet und vervielfältigt werden. Bei internen Verlinkungen auf weitere Artikel von Peds Ansichten finden Sie dort auch die externen Quellen, mit denen die Aussagen im aktuellen Text belegt werden.

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