Warum…..

26. Dezember 2022

von Jesper Larsson Träff

Ab welchem Punkt ist ziviler Ungehorsam gestattet? Ab welchem Punkt geboten? Und warum tragen eigentlich noch immer fast alle Passagiere in der Wiener U-Bahn eine Maske?

Auf der Straße, im Beisl, beim Einkaufen, am Bahnsteig, im Hörsaal, im Büro, am Markt, bei der Besprechung, zu Hause (wer weiß?) trägt kaum mehr jemand den Lappen vor Mund und Nase. Es lässt sich wohl hieraus schließen, dass viele diese absurde und verzerrende Vorrichtung für nichts-bringend erachten, oder sogar schädlich, was sie als Alltagsgegenstand zweifelsohne auch ist, physisch, psychisch und sozial, und deswegen getrost darauf verzichten: Gesicht zeigen und frei atmen. Warum nur wird dann aber sofort von fast allen in Wien beim Betreten der Apotheke, oder der U-Bahn oder des Busses, beim Arzt und im Spital die Maskierung wieder angelegt? Beobachtet bedecken sich in Wien zu Stoßzeiten geschätzt 70-90% der Passagiere im öffentlichen Verkehr, als wäre dies das normalste der Welt. Ist man der Ansicht, die Virusdichte in diesen öffentlichen Räumen sei so hoch, dass die wirkungslose Maske hier ihre magische Wirkung entfalten kann? Will man nur nicht auffallen? Liegt es an der viel beschworenen Solidarität? Ist es die Angst vor irgendeiner Strafe, die angemerkt seit längerem kaum verhängt wird? Oder ist es der Gehorsam? Ist es die reine Pflicht an sich, sich an die jederzeit geltende Verordnung zu halten? Ist es die Unfähigkeit, eine eigene, rationale Entscheidung zu treffen und zu vertreten?

Die abstrakte Frage lautet: Wann ist es in einem Rechtsstaat legitim, sich zu verweigern, eine Verordnung oder ein Gesetz zu befolgen, und unter welchen Umständen ziviler Ungehorsam gestattet und geboten sein kann? Aber auch, welche Verordnungen und Gesetze darf der Rechtsstaat überhaupt verabschieden? Dürfen beschlossene Gesetze physikalischen Naturgesetzen, bewährten, beispielsweise medizinischen Erfahrungen, oder der bloßen (auch ökonomischen) Vernunft widersprechen? Darf offensichtlicher Unsinn, Wirkungs- und Sinnlosigkeit zum Gesetz erhoben und fortgeschrieben werden? Ist der Bürger verpflichtet solches anzuerkennen, gut zu heißen und zu befolgen? Was, wenn der Staat selber zum Befehlsempfänger verkommen ist, und im Auftrag von anderen, nicht demokratisch legitimierten Institutionen und Organisationen agiert, statt im Auftrag der eigenen Bürger? Wie viel soll der Staat vorsorgen und wie viel darf er bevormunden?

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Veröffentlicht von Huxley

Handwerker, Spaziergänger, Demonstrant, Aktivist

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