Was bringen Demonstrationen?

Von

Beate Steinmetz

– 18. Dezember 2022

Was bringen Demonstrationen wirklich?

An politischen Demonstrationen scheiden sich die Geister. Während die einen sie für ein wichtiges und effektives Mittel halten, um den Unmut der Bürger über wahrgenommene oder reale politische Missstände kundzutun, sind andere der Meinung, dass sie die reinste Zeitverschwendung sind, denn was sollen (friedliche) Protestaktionen schon bewirken? Natürlich gibt es auch Menschen, deren Ansicht zu Demonstrationen irgendwo in der Mitte liegt, das heißt sie halten sie weder für komplett sinnlos noch für besonders erfolgsversprechend. Ich sehe das auch so, tendiere allerdings eher zu der Auffassung, dass Demos für sich alleine betrachtet nicht sonderlich viel bringen, wie ich im folgenden genauer erläutern möchte.

Im Gegensatz zu manch anderen Protestformen wie etwa dem Festkleben an der Straße bei zum Teil klirrender Kälte – von dem ich ohnehin nichts halte, da ich nicht glaube, dass der Mensch einen entscheidenden Einfluss aufs Klima hat – oder auch Hungerstreiks bergen friedliche Demos den Vorteil, dass ich anderen Menschen nicht wesentlich auf den Wecker falle, sie vor allem nicht am Straßenverkehr behindere und auch nicht selber leide oder sogar meine Gesundheit aufs Spiel setze (wie beim Hungerstreik). Das gilt zumindest für Demos, die vom Staat geduldet werden. Zum einen befindet man sich in der Regel in einer größeren Gruppe, die manchmal sogar aus mehreren zehn- oder gar hunderttausenden Menschen besteht, was zu weitaus mehr Beachtung führt als wenn man – wie meist beim Hunger- bzw. Klimastreik – alleine oder in einer sehr kleinen Gruppe protestiert (der Schlüssel ist hier allerdings das Interesse, das die Medien den Aktionen entgegenbringen, denn sie haben sowohl die Macht, unbedeutende Proteste einzelner Klima-Kleber zum Top-Thema aufzubauschen, wie sie zuvor Corona-Demos mit zehntausenden Teilnehmern totschwiegen oder kleinrechneten).

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Anonymität, Gemeinschaftsgefühl und Motivation

Zum anderen ist man auf Demos deshalb auch anonymer, denn man ist einer von vielen und fällt deshalb auch nicht so auf, was Menschen, die mit beruflichen Nachteilen oder Ächtung im sozialen Umfeld zu tun hätten, wenn ihre Demoteilnahme publik würde, sehr gelegen kommt. Außerdem entsteht ein Gefühl der Gemeinschaft, man ist umgeben von lauter Gleichgesinnten. Gerade wenn man von Tausenden von Menschen umringt ist, wird man oft erst des wahren Ausmaßes an Menschen gewahr, die ebenfalls mit politischen Vorgängen – seien es die Corona-Maßnahmen, die Impfung, die Russland-Sanktionen oder die Massenzuwanderung – unzufrieden sind. Außerdem kann man so natürlich auch leicht Kontakte knüpfen oder neue Freunde und Bekannte finden, auf die man sonst nie gestoßen wäre.

Dieses Gemeinschaftsgefühl motiviert und ist für viele ein Antrieb, sich immer wieder aufs Neue aufzuraffen und weiter auf die Straße zu gehen. Darüber hinaus sorgen Demos auch dafür, dass die breite Masse – also all jene, die die Ziele der Demonstranten nicht teilen – sehen, dass es auch jede Menge Andersdenkende gibt, sprich eine große Opposition. Wäre dem nicht so, könnte schnell der Eindruck entstehen, dass es bei gewissen Themen (s.o.) so gut wie gar keinen Widerstand gibt und nur eine klitzekleine Minderheit dagegen ist. Doch auch viele, die insgeheim dasselbe denken wie die Demonstranten, sich aber ihre Meinung nicht auszusprechen trauten, fassen so womöglich den Mut, dazu zustehen, weil ihnen die Demo verdeutlichte, dass sie mit ihren Ansichten nicht alleine sind.

Geringer Effekt, hoher Zeitaufwand

Neben diesen Vorzüge von Demonstrationen gibt es aber auch negative Aspekte, und diese überwiegen meiner Meinung nach leider. Der für mich größte und entscheidendste Nachteil, der mich auch oft von einer Teilnahme an Demos abhält, ist die geringe Effektivität bei relativ hohem Zeitaufwand. Ehrlich gesagt habe ich nicht den Eindruck, dass Demos groß etwas politisch bewirken. Abgesehen von den Montagsdemos in der DDR haben Massenkundgebungen und -proteste in Deutschland noch nie eine entscheidende Wende herbeigeführt. Auch bei Corona muss man sich fragen, was denn die vielen Spaziergänge und (Groß-)Demonstrationen gegen die Maßnahmen und die Impfung am Ende gebracht haben. Per saldo bin ich der Meinung, dass die Corona-Proteste nicht allzu erfolgreich waren. Was soll denn hier der Erfolg gewesen sein? Für eine gefühlte Ewigkeit folgte ein Lockdown auf den anderen, Ungeimpfte wurden oft auf eine Stufe mit Terroristen oder Ungeziefer gestellt, und in manchen Einrichtungen muss man selbst heute noch Maske tragen und sich testen lassen, bevor man Zutritt erhält. Dasselbe gilt auch für das Thema Zuwanderung. Was hat sich durch den öffentlichen Protest denn geändert? Gerade in puncto Massenmigration haben wir in Deutschland doch mittlerweile Zustände erreicht, die dem Fass den Boden ausschlagen. Dieses Jahr sind so viele Flüchtlinge aus aller Herren Länder nach Deutschland geströmt wie noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik; schlimmer könnte es also kaum sein.

Natürlich gab es den einen oder anderen Erfolg. So kam es letzten Endes doch nicht zu einer Impfpflicht, die Corona-Maßnahmen sind weitgehend passé und Ungeimpfte werden auch nicht mehr wie Aussätzige behandelt. Allerdings ist keinesfalls klar, wie weit dies auf die Straßendemonstration und sonstige Protestformen zurückzuführen ist oder ob die Einschränkungen nicht ohnehin geendet hätten. Immer wieder halten Demonstranten dagegen, dass es noch viel schlimmer gekommen wäre, wenn es die Demos nicht gegeben hätte. Das kann, muss aber nicht stimmen. Wir wissen schlicht nicht, wie es ohne diesen Widerstand gewesen wäre. Dieses Argument erinnert mich immer etwas an das der Impf- und Maßnahmenbefürworter, die nicht müde werden zu betonen, dass ohne die Impfung und sonstige Maßnahmen doch noch so viel mehr Menschen gestorben wären und wir das weitestgehende Ende der Pandemie den Impfungen und Maßnahmen zu verdanken haben.

Aufarbeitung? Fehlanzeige!

Hier entgegnen die Gegner schließlich auch, dass das gar nicht stimmt, die Spritze sowie die Quarantäneregelungen hätten weltweit zu nichts außer Millionen von Kranken und Toten geführt, ohne wären wir so viel besser dran gewesen. Ich stimme dem zwar zu, nur bin ich eben auch so ehrlich und objektiv, dass ich es umgekehrt ähnlich sehe. Genau wie die Maßnahmenbefürworter nicht wissen können, welche Zustände ohne all die „Gesundheitsregeln“ und Impfungen geherrscht hätten, können wir nicht wissen, wie viel schlimmer das Corona-Regime ohne Demos (gewesen) wäre. Selbst für den Fall, dass die Proteste zum ein oder anderen Erfolgserlebnis geführt haben sollten, so geschah dies doch in einem sehr geringen Ausmaß.

Schließlich sind die Hauptforderungen vieler Demonstranten – die Aufarbeitung der Corona-Diktatur und die Offenlegung der wahren Zahl an Impfopfern – noch immer nicht nur unerfüllt, sondern wir befinden uns auch weiterhin meilenweit davon entfernt. Jedes Mal, wenn in alternativen Medien ein Zusammenhang zwischen Übersterblichkeit und der Corona-Impfung hergestellt wird, sind die Dementis nicht weit. Die Zahlen seien falsch interpretiert, die Todesfälle auf zu spät erkannte Krebserkrankungen oder den Klimawandel zurückzuführen und so fort. Die Meinung, dass es so schnell keine Aufarbeitung geben wird, vertritt übrigens auch Boris Reitschuster. Warum sollten Demonstrationen – vorausgesetzt, sie sind friedlich – überhaupt zu einer politischen Veränderung führen? Damit es dazu käme, müssten die regierenden Politiker ihre Meinung ändern und einen anderen Kurs fahren. Doch warum sollten sie dies tun, bloß weil einige Menschen, selbst wenn es hunderttausend sind, auf der Straße stehen und ihren Unmut kundtun? Das kann ihnen in ihrem Elfenbeinturm, weit abseits vom Schuss, doch egal sein. Am meisten dürften sich über die Kundgebungen noch die gegenteilig eingestellten Anwohner oder Passanten, an denen die Demonstranten vorbeilaufen, ärgern, da sie unmittelbar damit konfrontiert werden. Nur sorgt so ein Protestzug bei kaum einem andersdenkenden Zuschauer für ein Umdenken.

Kollektiver Boykott wäre viel hilfreicher

Ein Hauptproblem, warum viele Demos leider wirkungslos sind, ist die Tatsache, dass die breite Masse die Ansichten der Demonstranten gar nicht teilt, sondern die Agenda der Politiker befürwortet. Auch hier ist wieder Corona das naheliegende Beispiel: Die meisten Menschen haben sich nun einmal entweder bereitwillig impfen lassen oder zumindest keinen Widerstand geleistet; das heißt, sie haben sich aufgrund von Druck spritzen lassen, sahen an der Impfung aber auch per se nichts Negatives. Es war ihnen schlicht egal, ob sie geimpft waren oder nicht. Dasselbe gilt für das Tragen von Masken und alle sonstigen Maßnahmen. Man hätte seinen Unmut natürlich auch an der Wahlurne kundtun können….

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Veröffentlicht von Huxley

Handwerker, Spaziergänger, Demonstrant, Aktivist

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