Die „Titanic“-Analogie, die sie noch nicht gehört haben

Passive Akzeptanz des Verleugnens

Charles Hugh Smith

Ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht, wir reagieren mit passiver Akzeptanz des Verleugnens.

Sie haben zweifellos gehört, dass die Neuanordnung der Liegestühle auf der Titanic eine Analogie für die Sinnlosigkeit der Genehmigung von politischen Änderungen zur Bewältigung von Systemkrisen ist. Ich habe die Titanic als Analogie benutzt, um die Fragilität unseres Finanzsystems und den „Streifhieb“ der Pandemie zu erklären: „Warum unser Finanzsystem wie die Titanic ist“ (15. März 2016) und „Coronavirus und die ‚unsinkbare‘ Titanic-Analogie“ (29. Januar 2020).

Aber es gibt eine starke Analogie, die Sie noch nie gehört haben. Um die Analogie zu verstehen, müssen wir zunächst die Grundstruktur der Tragödie rekapitulieren.

Am 14. April 1912 schlug der Ozeandampfer Titanic, der wegen seiner wasserdichten Kammern als unsinkbar galt, in dieser mondlosen, seltsam ruhigen Nacht gegen einen gewaltigen Eisberg. In den frühen Morgenstunden des 15. April zerbrach das große Schiff in zwei Hälften und sank, wodurch das Leben der meisten Passagiere und der Besatzung beendet wurde.

Von den 2.208 Passagieren und Besatzungsmitgliedern an Bord kamen 1.503 ums Leben und 705 überlebten. Die Rettungsboote hatten ein maximales Fassungsvermögen von 1.178, so dass etwa 475 Menschen unnötig starben. (Passagiere der Titanic – wikipedia)

Die anfängliche Selbstgefälligkeit der Passagiere und der Besatzung nach der Kollision ist eine weitere Quelle für Analogien in Bezug auf die nahezu unendliche Fähigkeit der Menschheit zur Verleugnung.

Die Klassenstruktur dieser Zeit wurde von den Behörden – den Schiffsoffizieren – durchgesetzt. Als die Situation zusehends bedrohlicher wurde, wurden die Passagiere der Ersten Klasse in die verbleibenden Rettungsboote getrieben, während die Passagiere der Zwischendeck- und Dritten Klasse – viele von ihnen Einwanderer – meist unter Deck festgehalten wurden. Die Offiziere wurden angewiesen, diese Klassenhierarchie mit ihren Revolvern durchzusetzen.

Zwei Drittel aller Passagiere starben, aber die Verluste waren nicht gleichmäßig verteilt: 39% der Passagiere der Ersten Klasse kamen ums Leben, 58% der Passagiere der Zweiten Klasse verloren ihr Leben und 76% der Passagiere der Dritten Klasse überlebten nicht.

Rudimentäre Berechnungen des Schiffskonstrukteurs, der an Bord war, um die Jungfernfahrt zu überwachen, enthüllten den Offizieren die Wahrheit: Das Schiff würde sinken, und es gab keine Möglichkeit, es aufzuhalten. Das Schiff war so konstruiert, dass es die Gefährdung von vier wasserdichten Kammern überstehen würde und sich wahrscheinlich über Wasser halten könnte, wenn fünf zur See hin geöffnet würden, aber nicht, wenn sechs Kammern geflutet würden. Das Wasser würde unweigerlich in die angrenzenden Abteilungen überlaufen, bis das Schiff sank.

Was hat die Schiffsführung mit diesem Wissen gemacht? Der Annehmlichkeiten beraubt, akzeptierte sie passiv das Verleugnen und widmete ihre Ressourcen der Durchsetzung der Klassenhierarchie und den Ritterlichkeitskriterien der Epoche: 80% der männlichen Passagiere kamen ums Leben, 25% der weiblichen Passagiere verloren ihr Leben.

Die Verladung der Passagiere in die Rettungsboote war so schlecht geregelt, dass nur 60% der Kapazität der Rettungsboote voll besetzt waren.

Was wäre gewesen, wenn die Offiziere die Unausweichlichkeit des Untergangs des Schiffes frühzeitig und mutig akzeptiert und einen Plan zur Minimierung der Verluste an Menschenleben ausgearbeitet hätten? Es hätte keines außergewöhnlichen kreativen Ansporns bedurft, um die freiwilligen Helfer der Besatzung und der Passagiere zu organisieren, die das Schiff von allem, was schwamm – hölzerne Liegestühle usw. -, befreit und zu Flößen zusammengebunden hätten. Angesichts der ruhigen See in dieser Nacht und des eiskalten Wassers hätte das gereicht, die Menschen einfach über Wasser zu halten.

Anstatt die absurde Scharade aufrecht zu erhalten, dass es dem Schiff gut ging, gerade dann, als die Zeit drängte, hätte die Schifffsführung die Frauen und Kinder erfassen und jeden Platz in den Rettungsbooten besetzen können.

Von den 1.030 Personen, die nicht in einem Rettungsboot untergebracht werden konnten, waren 890 Besatzungsmitglieder, darunter etwa 25 Frauen. Die Besatzungsmitglieder befanden sich fast alle in den besten Jahren ihres Lebens. Wenn jemand mehrere Stunden auf einem teilweise notdürftigen Floß hätte überleben können, dann wäre es die Besatzung gewesen. (Das erste Rettungsschiff traf etwa zwei Stunden nach dem Untergang der Titanic ein).

Hätte dieser eilige Versuch, alle an Bord zu retten, Erfolg gehabt? Er hätte mindestens weitere 475 Seelen durch eine sorgfältige Beladung der Rettungsboote bis zur Kapazität gerettet, und wenn die behelfsmäßigen Flöße eine sinnvolle Rettungsmöglichkeit geboten hätten, wären viel mehr Leben gerettet worden.

Was wäre, wenn die Schiffsführung ihre Vorgangsweise auf die Beantwortung einer einfachen Frage konzentriert hätte, anstatt Ressourcen für die Aufrechterhaltung des Anscheins von Sicherheit und Ordnung aufzuwenden: was brauchten die Menschen, um eine eisige Nacht zu überleben, wenn die Rettungsboote voll waren und das Schiff sank?

Ich denke, Sie sehen die Analogie zur Gegenwart. Unsere Führung, so wie sie ist, setzt Ressourcen ein, um den absurden Vorwand aufrechtzuerhalten, dass sich alles auf magische Weise auf den Zeitpunkt September 2019 zurückstellen wird, wenn wir nur genug Geld drucken und der finanziellen Aristokratie aus der Klemme helfen.

Ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht, wir reagieren darauf mit der passiven Akzeptanz des Verleugnens. Die Wirtschaft und die Sozialordnung waren vor der Pandemie prekär zerbrechlich, und jetzt lösen sich die Schwachstellen auf. Wir müssen anfangen, über Vortäuschung und PR hinaus zu denken.

* * * * *

Hier meine ergänzenden Bemerkungen dazu im BLOG (am 31.Oktober 2020)

Titanic 2.0 – wo der Eisberg steckt

Die antikrieg.com – Stammleser werden sich an den Beginn des BLOGs erinnern, wo am 10. Juni 2019 zum ersten Mal das Thema „Titanic 2.0 – wo steckt der Eisberg? auftauchte. Nach mehreren Annäherungsversuchen fand das Thema am 1.Dezember 2019 sein vorläufiges Ende.

Das Thema Titanic geistert immer wieder herum und gewinnt jetzt an Aktualität mit Charles Hugh Smiths Artikel „Die „Titanic“-Analogie, die Sie noch nicht gehört haben: Passive Akzeptanz des Verleugnens“ >>> LINK. Charles Hugh Smith ist ein amerikanischer Philosoph, so weit für mich erkennbar ein sehr origineller und offenbar ein richtiger Querdenker.

Nun, „Passive Akzeptanz des Verleugnens“ war mir kein Begriff, auch Google usw. brachten keine Aufklärung. Kein Problem – mein alter Freund Harald Picker, Psychotherapeut in Wien (> Website) kennt sich aus:

„Die passive Akzeptanz des Verleugnens ist ein Reifeschritt aus der frühen Kindheit und ein Teil der Regression , die als Abwehrvorgang gegen diverse Gefahren eingesetzt wird. Diese Regression verhindert Überschwemmung mit Angst und Panik, verhindert aber sinnvolles Bewältigen der Realität und deren Gefährdungen.

Dagegen gibt es nur 1 Methode: Checklistentraining für alle Gefahren, die uns begegnen könnten; ODER psychoanalytisch denken als Gewohnheit.

Na dann auf ins Training!“

Da lief es mir kalt über den Rücken und ich bin seitdem in Alarmstimmung.

Das Problem der viel zu wenigen Rettungsboote auf der Titanic hatte ich im BLOG schon erörtert. Nun, das war ein Problem.

Das wirkliche Problem bestand allerdings darin, dass die Schiffsführung versagt hat, offenbar aufgrund „passiver Akzeptanz des Verleugnens“, eines Vorgangs, der sich im Unterbewusstsein abspielt und – von mir jetzt so dahingedacht – unter anderem in dem Satz „die Hoffnung stirbt zuletzt“ seinen Ausdruck findet.

Anstatt die Schwere der bevorstehende Katastrophe ernst zu nehmen, wurde diese von der Führung grundlegend falsch eingeschätzt oder heruntergespielt. So lange der Untergang nicht quasi garantiert/erkennbar war, wurden nicht die geeigneten Maßnahmen getroffen, um diesen so zu organisieren, dass möglichst wenige Menschen zu Schaden kamen.

In einer derartigen Situation befinden sich jetzt unsere Länder/Gesellschaften.

Unsere Gesellschaft – Titanic 2.0 – geht mit Sicherheit – und zwar in nächster Zeit – unter, nur können/wollen das die wenigsten wahrhaben. Wir werden nicht mit „Party“ bei Laune gehalten, sondern mittels einer fingierten „Pandemie“ in Massenpanik versetzt, sprich in Angststarre gehalten und unfähig gemacht, uns so zu organisieren, dass der unvermeidliche Schaden so gering wie möglich gehalten werden kann.

Das ist das Problem, das in Charles Hugh Smiths Titanic-Analogie seinen Ausdruck findet. Es sei erwähnt, dass die Schiffsführung unter dem „Kapitän der Millionäre“ Edward John Smith mit der Titanic in die Tiefe des Ozeans gerissen wurde.

erschienen am 19. Oktober 2020 auf > Information Clearing House> Artikel, Original auf > of two minds

mehr dazu:

http://www.antikrieg.com/aktuell/2022_12_04_dietitanicanalogie.htm

Veröffentlicht von Huxley

Handwerker, Spaziergänger, Demonstrant, Aktivist

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