„Ich blieb in meiner Abteilung der einzige Ungeimpfte von 40 Ärzten“

Ein Klinikarzt berichtet für Multipolar, wie er die Corona-Krise, die Impfkampagne und den mangelhaften Umgang mit schweren Nebenwirkungen erlebt hat. Er spricht von „Angstinduktion“ und einer „Pandemie in den Köpfen“. Seine Identität ist der Redaktion bekannt. REDAKTION, 16. Juli 2022, PDF

Im Frühjahr 2020 hörte ich zum ersten Mal vom „neuartigen Coronavirus“ aus den Medien. Bei uns im Krankenhaus wurde das Thema Corona ab Februar, März dann auch zunehmend präsent. Dass der Erreger sich „bereits vor Auftreten von Krankheitssymptomen aerogen verbreiten“ sollte, war eines der mutmaßlich „neuartigen Merkmale“ dieses Virus‘ – was allerdings – das habe auch ich erst später erfahren – offenbar eher die Regel als eine Ausnahme bei der Übertragung viraler Erkrankungen ist. Bis 2020 gab es auch keinen Grund, Personen vor Auftreten von Krankheitserscheinungen zu testen (sprich Asymptomatische zu screenen). Insofern war dieser Aspekt im klinischen und ärztlichen Alltag vorher eher eine Randnotiz ohne augenscheinliche Relevanz.

Erfahrungen mit Triage schon vor Corona

In besagtem Frühjahr arbeitete ich bereits seit fast 15 Jahren in einer Klinik der Regionalversorgung im Süden Deutschlands mit nicht ganz 2000 Beschäftigten und circa 600 Betten. Ich bin unter anderem auch seit vielen Jahren auf der Intensivstation (mit über 20 Betten) zuständig, auf der ich seit meinem Beginn vor über 10 Jahren vor allem in der kalten Jahreszeit die Notwendigkeit zu triagieren nur zu gut kenne, da auf Grund eines de facto chronischen Personalmangels so gut wie nie alle auf dem Papier vorhandenen Intensivbetten betrieben werden konnten und können. Dass ein Drittel (!) der Betten nicht belegbar ist auf Grund oben genannter Problematik, stellt eher die Regel als die Ausnahme dar und ist auch kein Phänomen unserer Klinik, wie mir Kollegen aus anderen Kliniken versichert haben.

Inwiefern hier auch wirtschaftliche Aspekte (Stichwort Personalkosten als einer der höchsten Kostenpunkte in einem Betrieb) eine Rolle spiel(t)en, lässt sich für mich nur erahnen. Die Entscheidung, jemandem eine nach ärztlichem Ermessen intensivmedizinische Versorgung zukommen zu lassen beziehungsweise, diese zu beenden und die- oder denjenigen auf die Normalstation zu verlegen, musste also bereits vor Corona schon regelhaft auf Grund nicht- medizinischer Einflussfaktoren getroffen werden und stellt ein nicht zu unterschätzendes Problem nicht nur für die Versorgungssituation der betroffenen Patienten, sondern auch für das Personal dar, das diese Triagierung verantworten muss.

Für mich als jungen Arzt gab es kaum einen größeren Stressfaktor, als solche Entscheidungen treffen zu müssen. Meine größte Sorge auf dem Weg vor allem zu den Nachtdiensten war oftmals nicht die vor einem schwerwiegenden medizinischen Notfall, sondern, wie viele Betten wohl belegbar bzw. gesperrt sind.

Gesundheitssystem entwickelt sich zu krankem System

Überspitzt formuliert muss der Personalmangel (aus welchen Gründen auch immer) als einer der Hauptgründe aufgeführt werden dafür, dass auch bereits in der Vergangenheit routinemäßig triagiert werden musste. Für uns alle sollte das ein Warnhinweis sein, dass sich das Gesundheitssystem immer mehr zu einem kranken System entwickelt, wenn hier nicht endlich ein Umdenken stattfindet. Betrachtet man die zunehmende Schließung und Privatisierung der Kliniken in Deutschland, fehlt einem aber der Glaube daran, dass sich alles zum Guten wendet.

Dass über die Medien „Triage“ mit Corona im Bewusstsein der Menschen verankert wurde, ist zudem bezeichnend für ihre Rolle während der Pandemie und vielleicht auch Ausdruck einer kalkulierten „Steuerung der Menschen“ (um das Wort Manipulation nicht zu gebrauchen) über das Momentum der Angst – wie es Rainer Mausfeld eindrücklich in seinem Werk „Angst und Macht“ beschreibt: Dass die „Bilder von Bergamo“ einige der ersten waren, die lanciert wurden, dürfte deshalb nicht weiter überraschen, dadurch war die Richtung vorgegeben, die Bevölkerung war in Angst versetzt und dadurch leicht steuerbar, die Politik hatte ein Argument, das vermeintlich schwer zu entkräften war und auch umfassende und beispiellose Grundrechtseinschränkungen ohne größeren gesellschaftlichen Widerstand konsensfähig zu machen schien: „Nur kein zweites Bergamo!“…..

mehr dazu:

https://multipolar-magazin.de/artikel/der-einzige-ungeimpfte-von-40-aerzten

Ein Kommentar zu “„Ich blieb in meiner Abteilung der einzige Ungeimpfte von 40 Ärzten“

  1. Zitat daraus: Ich möchte mit einem Zitat der RKI-Homepage schließen, welches auf den Erfahrungen (auch des Instituts) aus der NS-Zeit beruht:

    „Für das Übertreten humanistischer Grundsätze, für die Verletzung der Würde und der körperlichen Unversehrtheit gibt es zu keiner Zeit der Welt eine Rechtfertigung, auch wenn die Mehrheit ein solches Verhalten toleriert oder gar fordert.“

    Alle Achtung! Man möge sich doch an seinen eigenen Grundsätzen orientieren

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