Sind die Zustände unhaltbar?

Natürlich sind sie das — hat es jemals Zustände gegeben, die haltbar gewesen wären? Hat es — und zwar in der Urgesellschaft. Zu klären wäre nur noch die Frage, ob die Menschen vor oder nach der Beherrschung des Feuers freundlicher miteinander waren. Auf jeden Fall hatten sie keinen Begriff von Freiheit — und waren daher frei.


Gedanken von Steffen Duck zum Destruktivismus unserer Gesellschaft und wie wir letztlich mit diesem umgehen können:

Von Entropie und Neolithischer Revolution

Der Neandertaler hatte nachweislich ein um 12 Prozent größeres Gehirn als der heute lebende Homo sapiens sapiens (?)! Er musste über alle Fähigkeiten und Fertigkeiten für sein Überleben selbst verfügen, konnte sich kaum auf eine irgendwie geartete Arbeitsteilung verlassen. Daher war er in umfassendem Maße kompetent.

Wieso musste er dann das Feld dem Homo sapiens sapiens räumen? Wieso verließ letzterer das irdische Paradies im Zuge der Neolithischen Revolution, welche all die Übel in die Welt brachte, unter denen er seitdem leidet — Hunger, Kriege, Gewalt aller Art gegen Schwächere, insbesondere Kinder, Ungleichheit, Eigentum, Mangel, Not, Unfreiheit, Sklaverei, Krankheiten, Religion, Umweltzerstörung, Dummheit, Zerstörung der Psyche des Menschen?

Sind das alles nur Kollateralschäden auf dem Wege zu einer irgendwie gearteten höheren Daseinsform, zum Himmel auf Erden, zum Himmel im Universum?

Aber was ist, wenn es nicht teleologisch ist? Könnte es nicht vielmehr sein, daß die Evolution mit einem negativen Gradienten wirkt?

Entropie ist physikalisch betrachtet ein Maß für den Energiegradienten in einem geschlossenen System, ein Maß dafür, inwiefern nutzbare Arbeit geleistet werden kann. Informationstheoretisch wird sie gemeinhin als Maß für die Unordnung bezeichnet (siehe auch weiter unten).

Aber was ist nutzbare Arbeit, was ist Ordnung, was Unordnung? Diese Begriffe sind letztlich nichts anderes als auf den Menschen bezogen. Ein Kartenspiel, in dem die Karten „geordnet“ im Stapel liegen, ist informatorisch nichts anderes als wenn die Karten gemischt wurden. Die Bedeutung dessen, was geordnet und was ungeordnet ist, liegt allein im Menschen. Quantenphysikalisch betrachtet ist jede Anordnung von Elementarteilchen speziell, ob daraus für den Menschen nutzbare Arbeit gezogen werden kann oder nicht.

Versucht man, für einen Moment einen nicht anthropozentrischen Standpunkt einzunehmen (geht das überhaupt?), so muss man unweigerlich zu der Ansicht gelangen, die heutige moderne Welt sei durch eine höhere Entropie gekennzeichnet als die Millionen Jahre der Urzeit des Menschen. Und egal, was wir unternehmen, es geht immer nur in eine Richtung — bergab!

Ob die Rekonstruktion des Menschen („Die Rekonstruktion des Menschen“, Berlin, 1980, Anthologie, Erik Simon, Hrsg.) versucht wird, ob es zurück zur Natur (Rousseau) gehen soll (der Bequemlichkeit halber aber nicht zu Fuß!), ob wir in die „Technologiefalle“ (Stanislaw Lem, 1995) tappen oder nicht — die Richtung ist klar — bergab.

Nun darf man sich den Weg nach unten nicht wie eine glatte Bahn vorstellen, die Talfahrt gleicht wohl eher einem Aktienkurs, dessen Gesamttendenz erst sichtbar wird, wenn man von den Tages- Wochen- und Jahresschwankungen zurücktritt und wirklich große Zeiträume betrachtet.

So kann es lokale und temporäre Anomalien durchaus geben, die davon Betroffenen mögen sich dann als „Masten“ empfinden (Masten — maximale Stufe der Entwicklung — eine Wortschöpfung von Stanislaw Lem). Kurz danach sind sie dann gezwungen, sich wieder in den natürlichen Lauf der Dinge einzuordnen.

Mit diesen Überlegungen als Voraussetzung möchte ich nun eine Einschätzung der aktuellen Situation versuchen:

Der derzeitige Zustand von Politik und Gesellschaft ist nicht etwa instabil und unnatürlich, wie man geneigt war, Anfang des Jahres 2020 etwa zu meinen, er entspricht von der Tendenz her den Zuständen, in denen sich Gesellschaften gemeinhin aufhalten oder in welche sie zurückfallen.

In gescheiterten Staaten haben Warlords das Sagen, es gilt das Recht des Stärkeren. Wer sich nicht unterordnet, lebt nicht sehr lange. Für alle anderen ist das Leben kurz, brutal und ungerecht. Sollte es eine wie immer geartete Justiz geben, so hat diese eine einzige Aufgabe — das System zu stützen.

Kinder gibt es zwar, jedoch werden sie kaum als Individuum wahrgenommen, sie haben zum Lebensunterhalt beizutragen und vor allem zu gehorchen. Um sie gefügig zu machen, ist jedes Mittel recht. Sollten sie dabei sterben, so ist das nicht weiter tragisch, es gibt noch genügend andere, außerdem haben sie doch sowieso nur genervt und gekostet. (In der BRD wird seit vielen Jahren schon jede dritte Schwangerschaft durch Abtreibung beendet.)

Seit der Neolithischen Revolution hat es wohl weltweit kein Jahr ohne irgendeinen Krieg gegeben. Geschichte – das ist Krieg! („Die Abenteuer des Werner Holt“, Dieter Noll, 1960).

Was war und ist die stabilste und langlebigste Regierungsform? Natürlich die Monarchie!

Energiemangel ist nicht die Ausnahme, sondern die Regel — entsprechende Regierungskampagnen vom Kohlenklau der Nazis über den Wattfraß in der DDR der 50er Jahre bis zum Dialog zwischen Micky und Goofy 1979 über Energiefragen zur Zeit der US- Präsidentschaft von James Earl Carter geben Auskunft.

Einem Witz aus diesem Jahr zufolge trug Oma in der DDR jetzt immer einen Rucksack mit rauchendem Ofenrohr mit sich herum, nicht etwa, weil ihr kalt gewesen wäre, vielmehr handelte es sich um einen Herzschrittmacher, auf Braunkohle umgestellt. (https://www.energieverbraucher.de/de/der-wattfrass__1437/)

Und was ist mit dem Bösen, welches sich Hannah Arendt zufolge selbst verzehrt? Zweifelsohne tut es das, nur dauert das eben. Wie lange wohl hätten die Nazis ohne Krieg durchgehalten? Kleiner Hinweis: Bis zum Zusammenbruch der UdSSR dauerte es über 70 Jahre.

Wird es in der BRD eine Revolution geben? Sehr unwahrscheinlich. Die mehrheitlich verbogenen Seelen tragen jeden obrigkeitlich verordneten Unsinn in masochistischer Weise mit (schon die Nazipropaganda mit dem Kohlenklau fußte darauf, daß man jetzt zeitweise den Gürtel enger schnallen müßte zugunsten der Rüstungsindustrie — nach dem Kriege würde das natürlich alles vorbei sein etc.).

Bequemlichkeit steht an oberster Stelle — das thematisierte schon Goethe in Faust I, Prolog im Himmel: „… er liebt sich bald die unbedingte Ruh´…“. Er bezog das auf das Individuum und natürlich auch auf sich selbst, aber ich glaube, gleiches gilt auch für die Menschheit. Wenn auch die Zeiträume größer sind.

Und schließlich hat Le Bon sehr trefflich die Psychologie der Massen beschrieben, welche es nie nach Freiheit und Gerechtigkeit gedürstet hat.

Weshalb wohl waren Orwell („1984“) und Huxley („Schöne neue Welt“) so erfolgreich in ihren Vorhersagen? Sie kannten die Psyche des Menschen, seine Neigungen, Vorlieben und Triebe, Entwicklungstendenzen, haben vieles davon selbst erlebt und erfahren. Zum Beispiel die Foltermethoden der Briten in Indien, die die gemeinhin verbreitete Aussage, die koloniale Herrschaft des Engländers sei mild (gewesen), Lügen strafen.

Noch ein konkretes Beispiel zum Zustand der Justiz in der BRD sowie zu vermeintlich gegenläufigen Kräften:

Auf transition-news.org geht der Rechtsanwalt Gordon Pankalla von „Anwälte für Aufklärung“ in einem Interview hart mit Michael Ballweg ins Gericht, bezeichnet diesen als Spalter und Blender. Auch Bodo Schiffmann, Markus Haintz und Anselm Lenz bekommen ihr Fett weg, sowie die gesamte Bewegung „Querdenken“.

Auf mich macht er in diesem Interview dabei den Eindruck, den ich persönlich bisher noch von jedem Anwalt erhalten habe — es geht zwar vordergründig um Rechtsbeistand für den Mandanten, tatsächlich aber um die Stabilisierung des Systems, dem in Wirklichkeit alles untergeordnet ist. Mein Mißtrauen gegenüber Anwälten kennt immer nur eine Richtung — zunehmend.

Was nun fangen wir mit diesen Erkenntnissen an?

Eine der denkbaren Schlußfolgerungen ist so banal und einfach, wie sie eben auch ein Energieproblem verdeutlicht:

„Warte nicht auf bessere Zeiten!“ (Wolf Biermann in seinen eigenen „besseren Zeiten“)


Vielen Dank ein weiteres Mal, Steffen.

Nachbemerkungen von Peds Ansichten

Im Beitrag geht es in großen Teilen um Entropie, und dass diese auch vor Gesellschaften nicht Halt macht. Zur Verdeutlichung und ohne jeden Anspruch, dass es vollständig wissenschaftlicher Korrektheit genügt: Entropie ist das Maß für ein natürliches Phänomen, nach dem sich Strukturen auflösen, wenn sie einen gewissen Grad an Komplexität erreichen. Einfach weil die zur Verfügung stehende Energie nicht mehr ausreicht, um diese Komplexität aufrecht zu erhalten. Und je größer die Komplexität, desto stärker das Streben nach Zerfall, Auflösung und Gleichverteilung. Entropie lässt sich demzufolge aufhalten, wenn man zusätzliche Energie in das zu erhaltende System investiert.

Je komplexer und größer das System, desto ineffizienter wird es — auch aus energetischer Sichtweise. Vor allem entzieht das System seine Energie der Umgebung. Es lebt sozusagen auf Kosten des größeren Systems, in dem es eingebettet ist. Erst recht, wenn es maßlos wächst und rücksichtslos seinen Wirt auszehrt. Krebs ist dafür geradezu symbolhaft. Umgkehrt leben kleine, nennen wir sie ruhig lokale Systeme sparsamer, genügsamer und damit effizienter.

Das von Steffen Duck vorgebrachte Zitat „Warte nicht auf bessere Zeiten.“, kann auch so gedeutet werden:

Lass wir uns unsere eigene und die unserer Umgebung innewohnende und notwendige Energie nicht für fremde, maßlose, lebensfeindliche Ziele rauben. Das geschieht, wenn wir passiv, apathisch, sediert und willenlos auf Besserung hoffen. Weil in der konkreten Situation uns ein solches Verhalten als energetisch günstig erscheint. Das wird es wohl auch sein. Aber es ist ein mieser Deal, bei dem uns eine Möhre vorgehalten wird, um uns so ziemlich jede Form von Energie, die uns und unsere Autonomie ausmacht, abzuluchsen.

Wir lernen, das Energie kostbar ist. Und wir verfügen über Potenziale, um diese Kostbarkeit — statt sie „wegzuschenken“ — sinnvoll einzusetzen. Wir können unsere Energie für uns und das durch wie mit uns existierende Gemeinwesen einsetzen. Lassen wir uns nicht von Energieräubern einreden, dass eine solche Art zu leben, keine Chance auf Umsetzung hätte.

Bitte bleiben Sie schön aufmerksam, liebe Leser.


Anmerkungen und Quellen

(Allgemein) Dieser Artikel von Peds Ansichten ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen – insbesondere der deutlich sichtbaren Verlinkung zum Blog des Autors – kann er gern weiterverbreitet und vervielfältigt werden. Bei internen Verlinkungen auf weitere Artikel von Peds Ansichten finden Sie dort auch die externen Quellen, mit denen die Aussagen im aktuellen Text belegt werden.

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Veröffentlicht von Huxley

Handwerker, Spaziergänger, Demonstrant, Aktivist "Wir wanken und wir weichen nicht"! Unser Leben vom Kopf wieder auf die Beine zu stellen, dass ist unser Ziel!

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