Volksverpetzer: Die Wahrheit über die Impfpflicht

Was eine Impfpflicht wirklich gebracht hätte – und was nicht

Frank Taeger | Faktencheck | 22. Mai 2022



Hätte die Impfpflicht etwas gebracht?

Die Landtagswahl in Nordrhein Westfalen ist vorbei und die FDP hat eine starke Schlappe erlitten. Viele auf Social Media sind sich einig, das habe mit ihrer Corona-Politik zu tun. Das Coronavirus ist ein Thema, dem ich nach Anfeindungen eigentlich den Rücken kehren wollte. Doch das Narrativ in den sozialen Medien, die FDP trage Schuld am Tod vieler Menschen, hat meine Neugier wieder geweckt. Dabei stehen zwei zentrale Themen im Raum. Erstens, dass die Impfpflicht sie gerettet hätte und auch die Aufhebung der Maskenpflicht mit Sicherheit nun Menschen töten würde. In diesem ersten Artikel will ich mich der Frage widmen, was die Impfpflicht wirklich gebracht hätte. Die Effektivität einzelner Maßnahmen wie Maskenpflicht ist deutlich komplexer und diffuser und bedarf daher eines zweiten Artikels.

Die Frage ist, aus einer rationalen Sicht: Stimmt es, dass eine Impfpflicht einen deutlichen Effekt hätte? Während der Anfangsphase der Pandemie und auch bis Ende 2021 war ich für deutlich schärfere Maßnahmen. Von Anfang an hielt ich eine Eindämmung für die einzig intelligente Strategie. Diese ist aber, völlig gescheitert.

Ich stelle mir daher die Frage, welche Maßnahme welchen Effekt haben kann und wie wir das eigentlich bewerten wollen. Und ob diejenigen, die Maßnahmen abschaffen oder verhindern, wie Boris Johnson oder die FDP, tatsächlich im Jahr 2022 eine Strategie fahren, die unnötigen Schaden anrichtet. Ich bin der FDP zwar in vielem Denken nahe, für mich gilt aber vor allem eine evidenzbasierte, besonnene Herangehensweise und kann verraten, dass das Handling der Pandemie bei mir in NRW zumindest völlig unter aller Kanone war.

Alles eine Frage des Ziels?

Bevor ich mich in die Daten stürze und mit Schlussfolgerungen um mich werfe, gibt es noch einen ganz anderen Aspekt, der leider von der Regierung oft unbeantwortet blieb. Ein Problem in der Kommunikation während der Pandemie war aus meiner Sicht, dass niemand wusste, was eigentlich das Ziel ist. Chinas „Zero-Covid“ Strategie ist zwar nicht erfolgreich, aber das Ziel, keinerlei Coronafälle mehr im Land zu haben, ist glasklar kommuniziert (Quelle).

Bei uns war nie so recht klar, wohin die Reise geht. Während das Ziel anfangs vorwiegend „Flatten the Curve“ hieß, waren die Maßnahmenmixe nicht auf vollständige Eindämmung bedacht. Das war aus meiner Sicht auch damals bereits ein Fehler. Das Argument für eher bedachte und eingeschränkte Maßnahmen waren unsere Freiheitsrechte und der Schaden für die Wirtschaft. Bereits 2012 haben Modellstudien allerdings nahegelegt, dass es rein wirtschaftlich nur zwei Formen von Social Distancing geben kann, die erfolgreich sind.

Entweder eine nahezu vollständige, vorsichtige Einschränkung – also ein wirklicher Shutdown mit Ausgehverbot, welchen wir nie hatten – oder aber gar keine Einschränkungen. In einer Modellanalyse von Savi Maharaj & Adam Kleczkowski (Quelle) wurde daher nahegelegt: Macht es richtig, oder gar nicht. Wir haben uns für den deutlich schlechteren Mittelweg entschieden, der weder die epidemische Verbreitung noch die wirtschaftlichen Schäden besonders gut auffangen konnte. Unter der Maßgabe, dass wir in Europa allerdings ohnehin vernetzt sind, ist sowieso fraglich, wie ein kompletter, harter Shutdown hätte umgesetzt werden können.

„Auf Sicht fahren“

Während der Pandemie haben unsere Politiker selten Ziele formuliert. Vielfach wurde gesagt, man müsse „Auf Sicht fahren“. Es wurde öffentlich weder ein Endziel formuliert, noch eine Linie gezogen, welcher Schaden an welcher Stelle als verkraftbar hätte gelten müssen. Dieser Mut fehlte leider vollständig. Es ist noch etwas zu früh, eine umfassende Bewertung abzugeben. Sieht man sich jedoch diejenigen Länder an, die frühzeitig strikte Maßnahmen nutzten, beispielsweise Japan, Südkorea, Taiwan, Neuseeland oder Australien, so zeigt sich eine um den Faktor fünf verringerte Sterblichkeit (Quelle). Und das, obwohl in den späteren Wellen dank der Infektiösität der Omicron Varianten die Fallzahlen deutlich anstiegen.

Das war nicht das erste Mal in der Geschichte, dass wir solch eine Verteilung beobachten konnten. Die National Geographic Redakteurin Susan Gold titelte in ihrer Einleitung zu einer Ausgabe über die Pandemie über die vergessenen und ignorierten Lektionen früherer Pandemien. (Quelle) In der gleichen Ausgabe beschrieb Richard Conniff den Werdegang verschiedener vorheriger Pandemien, welche Lektionen die Menschheit daraus zog und dann, wie schnell diese Lehren wieder vergessen waren. (Quelle)

Maßnahmen zu spät umsetzen und zu früh aufheben

Ein Muster bereits während der spanischen Grippe war es, dass einige Maßnahmen viel zu spät umsetzten und dann viel zu früh wieder aufhoben. (Quelle) So untersuchten Martin Bootsma und Neil Ferguson 2007 die Effekte von Maßnahmen in verschiedenen Städten der USA während der Zeit der 1918 Influenza. (Quelle) Das Ergebnis war eindeutig: Wenn eine Stadt zu spät mit Einschränkungen begann oder zu früh dran war mit dem Aufheben, war der Schaden deutlich größer im Vergleich zu Städten, die früher und länger unterwegs waren. Auch Analysen der gegenwärtigen Coronapandemie haben bereits die Bedeutung des richtigen Timings gezeigt. Auch wenn der Schaden nicht komplett abgewendet werden konnte, konnten kurzfristige Lockdowns die Spitzenbelastung der Gesundheitssysteme etwas abfedern.

Unsere Regierung hat keines dieser Ziele im Detail formuliert. Die Phrase „auf Sicht fahren“ haben wir hingegen vielfach gehört, von Politikern, Soziologen und Virologen gleichermaßen. Vage Ziele wie „flatten the curve“ oder „den Zusammenbruch des Gesundheitssystems“ verhindern, waren das Einzige, was wir bekamen. Insbesondere wenn man bedenkt, dass das Gesundheitssystem zwar auf dem Papier nicht zusammengebrochen ist und die Zahlen stimmten, die Gründe dafür aber vor allem im kreativen Management auf den Intensivstationen lagen…..

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Veröffentlicht von Huxley

Handwerker, Spaziergänger, Demonstrant, Aktivist "Wir wanken und wir weichen nicht"! Unser Leben vom Kopf wieder auf die Beine zu stellen, dass ist unser Ziel!

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