Mit Hurra in den Weltkrieg? Deutschlands Salonlinke haben nichts kapiert

Von Daniel Matissek

  • 3. Mai 2022
Burning down the house (Symbolbild:Imago)

Die Reaktionen auf den von „Emma“ intendierten, von 28 Prominenten erstunterzeichneten Offenen Brief an die Bundesregierung wegen deren brandgefährlichen, fahrlässigem und moralbesoffenem Kurs in der Ukraine-Russland-Politik, die selbst aus Sicht erfahrener Militärs das Potenzial für eine Direttissima in den Dritten Weltkrieg aufweist: Sie waren genau wie erwartet und kamen nicht wirklich überraschend. Es zeigen sich – wenn auch nicht formal und stilistisch – erstaunliche Parallelen zur satirischen #allesdichtmachen„-Aktion vor genau einem Jahr, mit der Stimmen der Vernunft gegen eine Haltungsphallanx der Selbstgerechten und Gratismutigen anargumentieren und angesichts der destruktiven Coronapolitik flehentlich die Rückkehr zu Augenmaß, Folgenabwägung und Weit- statt Tunnelblick einforderten, bevor am Ende ein Vielfaches des Schadens angerichtet wird, der vorgeblich verhindert werden sollte. Die Anfeindungen des Establishments gegen die mutigen Abtrünnigen folgten damals auf dem Fuße.

Und wie damals prallt auch jetzt wieder die Wortmeldung einer besorgten Elite ab an den Entrüsteten, den „Kümmerern“ und „Besorgten”, die für ihr Engagement zugunsten einer gerade im Focus stehenden, bewusst stets abstrakt gehaltenen Opfergruppe schlimmstenfalls bereit sind, kein Stein auf dem anderen stehen zu lassen: Damals waren es die „Opfer der Pandemie„, die „schweren Verläufe”, die „besonders schützenswerten Risikogruppen” und die von Zwangsbeatmung bedrohten „Vulnerablen”, für deren Rettung es plötzlich kein zu hoher Preis und legitim war, Volkswirtschaft, Sozial- und Kulturleben final vor die Hunde gehen zu lassen. Heute sind es die „Menschen in der Ukraine”, für deren „Befreiung“ – natürlich nur per Endsieg über den Aggressor Russland – die in 75 Jahren mühsam errungene globale Friedensarchitektur ruhig zerrüttet bzw. ein Atomkrieg achselzuckend in Kauf genommen werden darf.

Moralischer Extremismus

In beiden Fällen, Krieg wie Corona, richtet sich der moralische Extremismus der Fürsorglichen unter der Devise „besondere Umstände erfordern besondere Maßnahmen“ gegen Phänomene, die es in Wahrheit schon immer gab, die ihnen zuvor aber jahrelang am Rektum vorbeigegangen waren und niemanden zu Notstandsexzessen getrieben hatten, solange Medien nicht das Brennglas auf sie richteten und eine Gehirn-Schleuderwäsche samt Heißmangel in Gang setzten, um die die Grenzen der Wahrnehmung verschob. Denn jährliche Hekatomben von Viren- wie auch Kriegstoten gab es immer schon. Aber eben keinen medieninduzierten Hype mit Endzeitstimmung, der im Juste Milieu einen seit den Tagen des Königreichs Jerusalem nicht mehr gesehenen Kreuzzugeifer entflammte.

Der wesentliche Unterschied zwischen den „#allesdichtmachen„-Lockdowngegnern des Kulturbetriebs von damals, die mit subtilem Sarkasmus gegen einen destruktiven Corona-Wahn kämpften, und jenem breiten Spektrum an Intellektuellen und Persönlichkeiten aus allen gesellschaftlichen Bereichen von heute, die sich nun gegen einen erratisch-eskalativen Fieberkurs gegen Russland aussprechen, besteht vor allem in der veränderten öffentlichen Akzeptanz: Denn der gegenwärtige Schlingerkurs der Bundesregierung – Motto: Im Zweifel mehr Atomkrieg wagen – ist ungleich weniger mehrheitsfähiger als der damalige Zero-Covid-Staatswahn. Das zeigt sich auch an den Reaktionen: Während es den Corona-Hardlinern in Tateinheit mit maßnahmengeilen Mainstreammedien damals schnell gelang, die teilnehmenden Künstler rund um Jan-Josef Liefers und Dietrich Brüggemann zu isolieren (indem sie sie als unsolidarische, asoziale Schwurbel-Egomanen abstempelten, die für ihren Freiheitsdrang Covid-Tote in Kauf nähmen), gelingt ihnen dies heute bei den Mahnern vor unkontrollierbaren Folgen der westlichen Hochrüstungspolitik nicht…..

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