Medien aussortieren

NewsGuard ist ein US-Unternehmen, das die journalistische Qualität und Glaubwürdigkeit von mehreren Tausend Medien in verschiedenen Ländern fortlaufend untersucht und seine Bewertungen an Internet-Konzerne lizenziert. Diese kennzeichnen „nicht vertrauenswürdige“ Medien dann mit einem Warnschild. In der vergangenen Woche hat auch Multipolar einen Fragenkatalog der Firma erhalten. Unsere Arbeit wird derzeit überprüft. Anlass für Multipolar, die Prüfer selbst unter die Lupe zu nehmen.

PAUL SCHREYER, 30. März 2022, PDF

NewsGuard wurde 2018 in New York gegründet und operiert inzwischen auch in Kanada, Großbritannien, Frankreich, Italien und Deutschland. Geleitet wird das Unternehmen von den beiden Journalisten und Medienunternehmern Steven Brill und Gordon Crovitz. Letzterer ist ein ehemaliger Herausgeber des Wall Street Journal. Zum Start sammelten die beiden Gründer bei Investoren sechs Millionen Dollar ein. Die Anwerbung der Finanziers organisierte Publicis, einer der größten Werbe- und PR-Konzerne der Welt, der zugleich einer der Hauptinvestoren von NewsGuard ist.

Das Unternehmen widmet sich nach eigenen Worten dem „Kampf gegen Desinformation“ und arbeitet dabei seit diesem Jahr auch mit der Europäischen Kommission zusammen. NewsGuard setzt nicht auf maschinelle Algorithmen, sondern auf Handarbeit, indem es Tausende Medien einzeln von Journalisten überprüfen lässt. Am Ende der Bewertung steht entweder ein grünes Häkchen („glaubwürdig“) oder ein rotes Ausrufezeichen („nicht glaubwürdig“). Diese Bewertungen, die fortlaufend aktualisiert werden, sind das Produkt, das NewsGuard verkauft. In der Eigenwerbung heißt es, man ermögliche damit „einer Vielzahl von Unternehmen, Institutionen und Behörden, Fehlinformationen zu bekämpfen und vertrauenswürdige digitale Umgebungen zu schaffen.“ Ein Hauptabnehmer ist Microsoft. Der Konzern hat die Bewertungen standardmäßig in seinen Internetbrowser Edge integriert. Auch eine App ist verfügbar. Das Unternehmen erklärt dazu:

„Die Bewertungen und Labels von NewsGuard können durch Anbieter von Internetdiensten, Browsern, Nachrichtenaggregatoren, Social Media-Plattformen und Suchmaschinen lizenziert werden, um ihren Benutzern die Informationen von NewsGuard zur Verfügung zu stellen. Diese Bewertungen werden den Verbrauchern über eine Browser-Erweiterung zur Verfügung gestellt, die in Chrome, Safari, Edge und Firefox verwendbar ist, sowie auf mobilen Geräten über NewsGuards iOS- und Android-Apps und über den mobilen Edge-Browser.“

Im Ergebnis werden als unglaubwürdig bewertete Webseiten von Nutzern gar nicht erst angeklickt und die „Fake News“ erreichen ihr Ziel nicht – so die Idee. Problematisch ist daran einiges, wie ein gründlicherer Blick auf das Unternehmen, die Mitarbeiter und die Bewertungskriterien zeigt….

mehr hier:

https://multipolar-magazin.de/artikel/medien-aussortieren

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